Die Post-Erasmus-Depression

Neues Land, neue Sprache, neue Freunde, neue Uni, neue Wohnung, neues Leben. All das nur für eine sehr begrenzte Zeit. Dein Leben steht Kopf, du fühlst dich wie ein neuer Mensch und genießt jede Minute deines Abenteuers. Doch irgendwann ist jeder Traum einmal ausgeträumt. 

Ein Auslandssemester ist nicht nur eine verrückte Zeit im Leben eines studierenden Menschen, sondern auch eine Herausforderung. Plötzlich findest du dich in einem fremden Land, meist ohne Bekannte wieder. Du musst dich in einer unbekannten Umgebung zurechtfinden, neue Kulturen akzeptieren, neue Menschen so annehmen wie sie sind, und nebenbei auch noch deine Familie vermissen. Doch nach ein paar Monaten schmerzt die Verabschiedung des neuen Lebens doch fast genauso, wie der Abschied deiner Liebsten vor deinem Auslandssemester.

Das Hallo und die Wiedersehensfreude im Heimatland sind dann groß. Alle wollen deine unzähligen Geschichten aus deinem anderen Leben hören, die du natürlich mit Stolz erzählst. Irgendwann ist dann die letzte Geschichte erzählt und die Ersten verdrehen gelangweilt die Augen über die gefühlte 100ste Geschichte über deine Mitbewohner. Du sitzt dann wieder daheim, draußen regnet es und drinnen ist die Stimmung auch nicht viel besser. Zu Beginn war die Motivation noch groß, den mitgebrachten Elan zu konservieren. Aber wenn dich dann der Alltagstrott wieder fest in der Hand hat, verschwindet auch die letzte Motivation gemeinsam mit den unzähligen Fitnessvorsätzen unter den verstaubten Zeitschriften und warten dort gemeinsam auf bessere Zeiten.

Plötzlich ist das Heimatland nicht mehr gut genug, denn das Fernweh ist stärker. Diese Zeit im fremden Land war so viel besser und außergewöhnlicher, dass du unbedingt wieder zurück willst und gedanklich schon mit gepackten Koffern am Flughafen stehst. Mit Wehmut und einem weinenden Auge blickst du zurück auf legendäre Partynächte, vermisst lieb gewonnene Menschen und die andersartigen Unterrichtsmethoden. Ja, du vermisst sogar dein gefängniszellenähnliches Zimmer samt nächtlichem Feueralarm und eingesauten Gemeinschaftsküchen.

Was soll nach dieser Zeit noch kommen? War das jetzt alles?
Es ist an der Zeit deine Heimat wieder neu zu entdecken und wertzuschätzen. Schließlich geht das Leben weiter und dieses Auslandsabenteuer ist doch erst der Start für viel größere, aufregendere Zeiten, die im Leben noch auf dich warten! Und wenn das nicht der Fall ist, dann hast du noch immer das Auslandssemester, auf dessen Welle du noch eine Zeit lang mitreiten kannst.

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Von musikalischen Überraschungen und schlafenden Konzertbesuchern

Kreative Bandnamen, Klubs mit Livebands überall, fantastische Straßenmusiker an jeder Ecke, stylische Hipster, die zu Indieklängen im Takt mit ihren Köpfen nicken – das ist die britische Musiklandschaft für mich. Fabelhafte Konzerte in jeder Stadt, an jedem Wochentag locken alle Musikbegeisterten aus ihren Höhlen und bringen sie dazu, ihr letztes Geld auch noch in Bandshirts und Schallplatten oder CD’s zu investieren, und das alles nur um von Anbeginn dabei gewesen zu sein.

Newcastle ist keine Großstadt, doch für mich persönlich ist die Musikszene hier ganz groß! Wer es nicht weiß: ich liebe Musik! Ohne Musik geht bei mir gar nichts, da kann ich nicht geradeaus denken und irgendwie fühlt sich das Leben dann emotionslos und viel zu laut an. Höre ich einen Song, schaltet sich mein Gehirn an und plötzlich geht alles viel leichter – Atmen, denken, fühlen, schreiben, leben. Musik ist mein persönlicher Motor, der mich jeden Tag dorthin bringt, wo ich gerne sein möchte, auch wenn es nur in meinem Kopf passiert.

Seit ich hier in Newcastle bin, kann ich selber keine Musik machen. Ja, ich hätte wenigstens meine Ukulele mitbringen können. Manchmal gehe ich ganz langsam bei den Musikgeschäften hier in der Stadt vorbei, schaue mir die Gitarren und Ukulelen an und überlege dann, ob ich mir vielleicht eine günstige kaufen soll, nur für meinen Seelenfrieden. Derzeit muss ich mich dann doch einfach mit Konzerten begnügen und mich auf zuhause freuen.

Das Schöne an diesem Auslandssemester ist, dass man so viele neue Dinge kennenlernt. Mein Mitbewohner Justin hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Chvrches in Newcastle ein Konzert geben, und wir uns das unbedingt anschauen müssten. Gesagt, getan! Wir haben uns gleich Karten besorgt, haben aber leider nur noch Plätze am Balkon bekommen. Also mussten wir in der O2 Academy in Newcastle zu den Sitzplätzen empor steigen, um uns von dort das Konzert anzusehen. Ja „Ansehen“, denn tanzen war leider nicht möglich, da die Security-Leute sehr streng waren, und uns nicht aufstehen ließen. So erlebten wir ein wirklich tolles Konzert im Sitzen.

Für Justin war das vermutlich auch besser so, da er während dem Konzert eingeschlafen war (man sollte vor einem Konzert einfach nichts trinken, das mindert das Erlebnis!). Eine volle O2 Academy wurde von Chvrches, einer Electropop Band aus Glasgow verzaubert. Die Lichtshow, die aus dreieckigen Lichtelementen bestand, unterstützte die mitreißenden Rhythmen, die uns leider nicht von den Sitzen reißen durften. Aber auch die Menge, die unten vor der Bühne stand, verhielt sich sehr ruhig und starr. Mitnickende Köpfe und Leute, die im Takt von einem auf das andere Bein traten war schon das Maximum an Dancemoves, die man ausmachen konnte. Ich habe das Konzert wirklich genossen, auch wenn es im Sitzen war. Doch das war nicht mein einziges Konzert, das ich besucht habe. Ich habe mich auch noch dazu überreden lassen, zu Dan Croll zu gehen. Dieses Konzert war schon eher das, was ich auch aus Österreich kenne, aber doch wieder ganz anders.

Als wir in den kleinen aber feinen Club Think Tank kamen spielte bzw. sang gerade ein Musiker aus Newcastle, der normalerweise hier in den Straßen der Stadt sein Können zum Besten gibt, und an diesem Abend seinen ersten Gig hatte. Er überzeugte mit einer tolle Stimme und wirklich guten Gitarreskills – damit hatte er mich auch schon auf seine Seite gezogen! Danach kam eine weitere Band bevor sich Dan Croll auf die Bühne wagte.

Racing Glaciers beeindruckten mit 3 Gitarren, Keyboard, Drums, Bass, Trompete und gutem Gesang. Alle Bandmitglieder konnten mit ihren Stimmen umgehen und wussten auch, wie sie diese in den verschiedenen Songs einsetzen mussten. Auch unter den Zuhörern konnte man die Begeisterung aber auch die Überraschung spüren beziehungsweise sehen. Doch die coole Hipster Crowd, die vorwiegend in engen Jeanshosen, mit Hemd und anliegend Pullovern oder Jeansjacken anwesend war, blieb gelassen und nickte im Einklang wie eine Horde Wackeldackel. Info am Rande: ich hatte noch nie so viele Menschen mit schwarzen Kunststoffrahmen-Brillen gesehen.

Als es dann so weit war und Dan Croll mit seiner Band auf die Bühne kam, hab ich meine Erwartungen trotzdem noch nicht sehr hoch gesteckt. Natürlich habe ich meine Hausaufgaben gemacht und mir ein paar seiner Songs angehört, habe mich damit aber irgendwie nicht so identifizieren können. Doch bei Konzerten werde ich immer wieder von der Stimmung mitgerissen und plötzlich mutierte ich zum Fan. Ich wippte im Takt der Musik und fand gefallen an der Musik, die mir zuerst nicht so zugesagt hatte.

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Während des Konzerts konnte ich aber auch sehr interessante Beobachtungen machen. Das „Groupietum“ ist hier noch immer zu spüren. Auch wenn ich Dan Croll jetzt nicht in die Reihe der hübschen Mädchenschwarm-Musiker einreihen würde, so sind die Mädels doch auf ihn abgefahren. Auch Sprüche wie „Dan I love you“ sind reihenweise in Richtung Bühne geschmettert worden. Es gab alles, was zu einem richtigen Konzert dazugehört. Bei Konzerten stehe ich nicht so sehr aufs fotografieren, da mich das nur von der Musik ablenkt. Doch hier in Newcastle gehören Fotos zum guten Ton, wenn man nicht auffallen will. Wer besonders cool ist, der macht Videos. So kam es, dass rund um mich herum immer zehn Smartphones im Einsatz waren, um kurze Videos von den Bands zu machen – Hello Youtube!

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Ein Hoch auf die Smartphones

Als die letzten zwei Zugaben vorüber waren, setzte das euphorische Gefühl ein, so ein bisschen in der Luft zu hängen. Irgendwie ist man geschafft und irgendwie möchte man auch nicht, dass das Konzert schon zu Ende ist. Doch alles Gute muss auch mal sein Ende finden. Die Girls im Club versuchten noch Dan Croll und seiner Band aufzulauern und auch die Hipster schnappten ihre Jeansjacken, schulterten ihre Tote-Bags und richteten ihre schwarzen Kunststoffbrillen wieder zurecht und gingen nachhause.

Eine kleine Info am Rand: auch bei diesem Konzert ist Justin wieder eingeschlafen, doch dieses Mal im Stehen. Während seinem kleinen Schläfchen legte er seine Stirn auf die Schulter seines Vordermanns. Die Jungs, dessen Schultern für Justin herhalten mussten, machten sich einen Riesenspaß daraus und machten Fotos mit Justin, die sie dann Auf Instagram und Facebook stellten. Und weil sie ihn solo nett fanden, und er auch immer wieder sagte, wie toll er ihre Dan Croll-Shirts fand, haben sie ihm einfach ein neues T-Shirt gekauft … einfach so. Tja manchmal hat man Glück.

Man kann in Großbritannien spüren, dass Live-Musik geschätzt wird. Es ist Platz für jeden Musikstil, jeder der Musik macht wird toleriert. Das ist vermutlich auch der Grund, warum man hier so viele tolle und talentierte Musiker antreffen kann. Ich werde meine verbleibenden zwei Monate noch genießen, und den vielen Straßenmusikern zuhören. Vielleicht trauen sich viele Musiker in Österreich einfach nur nicht, auf die Straße zu gehen, um dort ihr Bestes zu geben, doch wenn dann Menschen, die normalerweise durch die Straßen eilen, um schnell zu ihrem Zielort zu bekommen, ein bisschen langsamer gehen, um nur ein paar Töne mehr zu hören, dann zahlt es sich schon aus. Musik macht Menschen glücklich und die Welt noch bunter.

Oh York, du bunte Stadt

Weil Busfahren so schön ist, haben wir uns für fesselnde 3 1/2 Stunden in einen National Express-Bus gesetzt und uns auf den Weg in den Süden gemacht. Das Ziel war York, das allerdings noch immer im Norden Englands liegt. Das Städtchen war hübsch und wir hatten Spaß. Um euch das zu zeigen, gibt es dieses Mal einen Bilderbuch-Blogpost … denn Bilder sagen oft mehr als 1000 Worte.

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Hey, Willkommen in York – Wie Sorority Girls, machten wir ein „super-süßes“ Foto, schließlich sind wir ja mittlerweile so etwas wie eine Reise-Schwesternschaft. Andere würden vermutlich behaupten, dass uns nichts mehr zu blöd ist, um uns mit einer Sehenswürdigkeit auf ein Foto zu quetschen. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, dumme Fotos auf all unseren Reisen zu machen, und das kam dabei heraus.

floodsAuch York wurde von den Überschwemmungen der letzten Monate nicht verschont. Die Flusspromenaden dienen derzeit nur den Fischen. Aber trotzdem „please keep Promenade clear“ damit die Fische freie Bahn haben! Go ahead Nemo!

IMG_5962 IMG_5966Ein bisschen alte Kultur und Architektur war auch dabei …

IMG_5957 IMG_5960… was aber nicht heißen soll, dass wir auf unseren Spaß verzichtet haben. Posing für Fortgeschrittene …

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Auch in York wurden Szenen für Harry Potter gedreht, wie in so vielen britischen Städten. Natürlich haben wir uns auf den Weg in die „Diagon Alley“ gemacht, um uns ein bisschen wie Hexen zu fühlen. Enge Gassen, kleine Geschäfte und viele Menschen – so sieht es aus in Little Shambles. Auf meinem Brief aus Hogwarts warte ich immer noch! Ich werde schon mal vorsorglich nach Zauberstäben Ausschau halten.
IMG_5928 IMG_5933Architekten hätten in dieser Gasse ihre liebe Not, denn von Wasserwaagen hatte, beim Bau dieser Häuser noch nie jemand etwas gehört. Die schiefen Häuser mit ihren bunten Fassaden und kleinen Fenstern verleihen dem ganzen aber einen gewissen „zauberhaften“ Charme.  Und zur Erklärung: Ich schaue nur deshalb so skeptisch aus der Wäsche bzw. aus der Haube, weil ich zu diesem Zeitpunkt noch immer nichts von Hogwarts gehört habe und meine Zauberkräfte auch auf sich warten lassen.

SL271267Wenn vier Mädels unterwegs sind, ist es manchmal gar nicht so einfach, sich auf einen Weg zu einigen! Doch wir waren alle sehr kompromissbereit und so kam jeder von uns auf seine/ihre Kosten – schließlich sind wir die BESTE Reisegruppe, die es hier gibt! Zuerst schlenderten wir durch The Shambles, dann ging es weiter auf den Marktplatz, wo ich die besten Kokosmakronen meines bisherigen Lebens gegessen habe, danach machten wir einen kurzen Abstecher in den Disneyshop und dann haben wir auch noch die alte Stadtmauer bezwungen. Sightseeing for tough girls!

1798859_10152243449342456_67854193_nNächster Stopp – die Krönung von Prinzessin Katharina und Prinzessin Melanie. Hey, wenn wir keine Hexen werden, dann doch wenigstens Prinzessinnen bzw. Königinnen! Und unsere Prinzen werden auch noch kommen. Die sind aber um einiges cooler als diese Hinterwäldler mit den weißen Pferden. Unsere Herzbuben kommen mit einem weisen Drachen aus Metall angeflogen!

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Unser nächster Fixpunkt war ein Rundgang auf der alten Stadtmauer. Von hier aus hat man einen wundervollen Ausblick und kann die versteckten Winkel von York bewundern. Wir hatten allerdings Größeres vor – wir wollten ein lebensfrohes „Springfoto“ von uns vier Grazien machen. Mit Selbstauslöser und einer gewissen Entfernung zwischen uns und der Kamera sind dann doch noch ein paar amüsante Schnappschüsse entstanden.

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Als wir den kleinen hungrigen Kerl beim Nachmittagssnack entdeckt haben, brachte er uns auch auf eine Idee…

1888477_10152243449892456_10091209_n… Pause machen in einem süßen kleinen Kaffee, direkt am Fluss, in dem wir uns gleich wie zuhause gefühlt haben. Natürlich sind Starbucks und Costa immer in der ersten Reihe zu finden, aber wenn du nur die Augen offen hältst und ein paar Schritte weiter gehst, entdeckst du hier überall die Perlen der Coffeeshops – Gemütlichkeit wird hier ganz groß geschrieben.

IMG_5995 IMG_5997 IMG_6000Und wie sollte es auch anders sein? Am Ende unseres Trips kam dann auch noch die Sonne heraus und verhalf uns zu ein paar tollen Fotos. In England musst du zu dieser Jahreszeit um jeden Sonnenstrahl kämpfen und ihn genießen. Wenn die Sonne dann einmal scheint, erkennt man erst richtig, wie wunderschön und farbenprächtig dieses Land doch ist.

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Auch ein aufregender, anstrengender Tag muss einmal zu Ende gehen. Die Füße taten weh, der Magen knurrte und ein wenig Angst vor der Heimfahrt stellte sich ein. Warum fragt ihr euch? Ganz einfach, da man sich die Mitreisenden im Bus leider nicht aussuchen konnte, und die britischen Kids bei der Heimfahrt jegliches Klischee erfüllen mussten, dass man so von schlecht erzogenen, lauten Kindern hat. Ich dachte, dass die Zeit, in der man all seine Klingeltöne, die auf dem Handy zu finden sind, durchhört schon lange vorbei ist – doch auch hier wurde ich wieder eines bessern belehrt. Das Repertoire an iPhone Klingeltönen kenne ich nun vorwärts und rückwärts, da macht mir niemand mehr etwas vor.

IMG_5915Doch die Glückskatze hat mir für den nächsten Trip einen Tipp gegeben: Kleines Kätzen, du wirst dich wohler in deinem weichen Fell fühlen, wenn du dir Kopfhörer für sanftes Geschnurre aus deiner Jukebox mitnimmst.

Danke liebe Goldtatze … und Cheerio!

Amsterdam … Teil 2

Meine erste Nacht in einem Hostel … Zugegeben, mir war schon ein wenig mulmig zumute, keine Ahnung warum. Vielleicht war es die Tatsache, mit sechs völlig fremden Personen in einem Zimmer in einer fremden Stadt zu schlafen oder auch die Tatsache, dass ich „Hostel“ den Film gesehen habe und weiß, wie das in Horrorfilmen so abläuft. Wie auf Bestellung hörte ich um 3 Uhr früh, wie jemand vor unserer Zimmertüre mit Schlüsseln herumklimperte. Vielleicht hat sich doch nur jemand am Zimmer geirrt? Die Person versuchte vergeblich die Zimmertüre aufzuschließen. Es vergingen unheimlich, bange Sekunden, bis plötzlich die Türe aufging und ein Lichtkegel ins Zimmer viel und mit diesem Lichtkegel auch der Schatten einer buckeligen Gestalt, die sich ins Innere unseres Etablissements bewegte. Ich versuchte nicht zu atmen, um nicht die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen und stellte mich schlafend. Und da sah ich es – der Buckel war ein riesen Rucksack, der zu einem Mädchen gehörte, dass sich unser letztes Bett schnappte. Noch mal Glück gehabt, wir sind einem schlechten Remake des Horrorfilms um Haaresbreite entgangen!

Leicht verschlafen reihten wir uns am nächsten Tag in die Badezimmerschlange ein. Da wir aber die Ersten waren die aufwachten, waren es eigentlich nur wir vier, die das Bad blockierten! Also mehr Regenwurm als Schlange. Nachdem wir auch noch unsere letzten Frühstücksreserven aufgegessen hatten, machten wir uns auf den Weg, das verregnet Amsterdam zu erkunden. Da wir keinen Bock hatten mit unseren Rucksäcken komplett durchnässt durch die Gegend zu wandern entschieden wir uns für einen Besuch im Anne Frank Haus. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass wir nicht die Einzigen waren, die sich dass vorgenommen hatten.

Nach 45 Minuten anstehen, waren wir leicht durchgefroren, durchnässt und auch ein bisschen zornig. Wir reihten uns in die Schlange ein (unsere Rucksäcke mussten wir vor uns hertragen), die uns dann durch das Haus und das Versteck der Familie Frank führte – quasi die längste Anakonda der Welt. Mit ganz kleinen Schritten, wenig Zeit zum genaueren Betrachten der Exponate, vielen aufgekratzten Kindern und genervten Eltern, die für ihre Sprösslinge alles lautstark in die jeweilige Landessprache übersetzten, verbrachten wir dort anstrengende 1 1/2 Stunden.

Als sich dann auch noch der Hunger einstellte, beschlossen Jenna und ich, ein Restaurant zu finden, und endlich eine warme Mahlzeit zu uns zu nehmen. Das Menü für diesen Tag bestand aus Minestrone und Pizza Margherita. Was soll ich sagen, danach war ich glücklich und selig. Um drei Uhr nachmittags machten wir uns wieder auf den Weg zum Bus, der uns zurück zur Fähre führte.

Diese Busfahrt war ganz anders als die am Vortag. Es war ganz ruhig, 90% der Reisenden schliefen. Ich hörte Musik, schaute aus dem Fenster, und konnte es noch nicht ganz glauben, was sich da eigentliche gerade in meinem Leben abspielt. Das Gefühl, wenn dein Leben dir wie ein Film vorkommt und die Musik, die du gerade hörst zu deinem persönlichen Soundtrack wird und du dir wünschst, dass es niemals endet. Das sind so kurze Augenblicke im Leben, in denen du gerne mal die Zeit anhalten würdest, um alles zu verarbeiten.

Bei dem Refrain, da geht mir irgendwie das Herz auf, vielleicht weil er meine letzten Monate so gut beschreibt … ❤

Als wir dann wieder am Schiff waren, hatten wir das Vergnügen eine Kabine auf einem der oberen Decks zu bekommen, jedoch ohne Fenster. Der Umstand, dass wir kein Fenster hatten, war auch nicht so schlimm, da sich unser Zimmer in eine Krankenstation verwandelte. Christina und Jana hatte es ganz schön erwischt – 2 Mal grippeähnliche Erkältung zum Mitnehmen, Direktimport aus Amsterdam. Nach einem zweistündigen Nap hatten wir dann Dinner-Time in unserer Suite auf Deck 8. Es gab gekauftes Sushi, Peannutbutter-Jelli Sandwich, Ciabatta, Ananas und Orangensaft. Jenna bedankte sich noch mal bei mir, dass ich sie mindestens 10 Mal vor einem Zusammenstoß mit Radfahrern und Autos gerettet habe. Das hab ich doch gern gemacht für meinen „Running-Buddy“!

Um den beiden Erkältungsopfern ihre verdiente Ruhe zu gewähren verbrachten Jenna und ich unsere Zeit damit, das neue Schiff zu erkunden. Alles war noch einmal ein bisschen größer als es am vorigen Schiff war. Sogar zwei Live-Bands spielten in den Bars. Unsere Fahrt nach Newcastle war wieder einmal sehr angenehm und problemlos. So macht Reisen spaß!

Am Dienstagmorgen hatten wir dann kleine Probleme beim „Einreisen“ nach Newcastle. Jenna versuchte, der etwas zu akkuraten Dame bei der „Grenzkontrolle“ zu erklären, warum sie kein Visum hat bzw. braucht, um hier zu bleiben. Nach einer recht hitzigen Diskussion „drückte“ die Dame ein Auge zu und ließ Jenna zurück nach Newcastle. Dann hatte jedoch ich das Vergnügen meinen alten Reisepass der netten Lady vorzuzeigen. Mein Reisedokument ist nun bald 10 Jahre alt, und auf dem Foto habe ich lange schwarze Haare und einen Nasenring – ziemlich punkig!

Die „Grenzkontroll-Lady“ hielt meinen Reisepass in den Scanner und ich wusste schon, dass das nicht funktionieren wird, damit habe ich schon Erfahrung an diversen Flughäfen gemacht. Ich wollte ihr das aber nicht sagen, da sie sonst das Gefühl gehabt hätte, dass ich sie eventuell belehren möchte. Nach dem 7. Versuch (ja ich habe mitgezählt und dabei schon leicht geschmunzelt: „Lady der Reisepass ist zu alt für einen Chip, um den zu scannen, aber wenn sie es trotzdem noch zehn Mal probieren wollen, ich habe Zeit.“) begann sie etwas auf ihrem Laptop zu tippen. Was sie getippt hat, fragt ihr euch? Nichts sie hat die ganze Zeit die Pfeiltaste gedrückt! Danach hat sie meinen Reisepass ganz genau unter die Lupe genommen, ob er wohl nicht gefälscht ist. Dann kam die Ansage: „Also dieser Reisepass ist schon sehr alt, und ich kann nicht überprüfen, ob er gefälscht ist. Sie sind auf dem Foto auch nicht mehr zu erkennen, und nicht einmal mein Scanner kann ihren Reisepass lesen, sie müssen sich sofort einen Neuen machen lassen.“

Mein Reisepass gilt noch bis 2015 und bis dahin werde ich mich noch so durchschlagen. Ich bin auch schon am überlegen, ob ich ein Post-it hinein kleben soll, auf dem ich erkläre, was die Grenzbeamten mit meinem Pass tun müssen, um mich einreisen lassen zu können. Aber vermutlich wäre das nicht die intelligenteste Idee.

Als letztes Highlight unserer Reise gönnten wir uns ein Taxi zurück in die City. Dabei hatten wir anscheinend den Renn-Taxifahrer erwischt – ziemlich rasante Fahrt auf der (für uns) falschen Straßenseite.

Unser Trip war auf jeden Fall jeden Euro wert! Das was wir dort erlebt haben werde ich auf keinen Fall so schnell vergessen! Danke an meine Reise-Mädels – Jana, die Reiseleiterin, die den Stadtplan immer im Auge und im Kopf hatte, an Christina, die unsere Kabine am Schiff gebucht hat, und deren Idee es war, das Schiff zu nehmen. Und danke an Jenna, dass sie einfach so ist, wie sie ist … lustig und unbekümmert und wir immer über die selben Dinge lachen können!

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Cheerio liebe Leute … weitere Reise-Updates folgen!

I am-sterdam, am I?

IMG_6222Die Stadt der Grachten, im Land des Käses und der Tulpen und ich mitten drinnen. Weil uns England zu klein wurde, mussten wir raus. Doch wohin sollen wir und vor allem wie? Zu Fuß oder mit dem Rad? Zu anstrengend. Mit dem Auto oder dem Bus? Zu umkomfortabel. Mit dem Flieger – das kann doch ein jeder, unsere Reisegruppe ist mittlerweile anspruchsvoller geworden! Wir nehmen das Schiff und machen eine Mini-Kreuzfahrt! Auf zu neuen Ufern, von Newcastle nach Amsterdam! Christina, Jana, Jenna und ich machten uns Samstag Nachmittag auf den Weg zum Fährenhafen in Newcastle. 

Das sollte sich als erste Hürde herausstellen, da wir mit der Metro in die Nähe des Hafens gefahren sind, aber unseren Weg durch die Suburbs erst suchen mussten. Gar nicht so einfach wenn man die Straßen-Bezeichnung nicht auf Anhieb findet.
Da man uns ja mit einem guten Orientierungssinn und der Fähigkeit, Google Maps zu benutzen ausgestattet hat, haben wir unser Boot auch noch rechtzeitig gefunden. Jeder Seemann würde mir jetzt vermutlich eine auf den Deckel geben, da unser Wassergefährt ein ausgewachsenes Schiff war!

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Ich war völlig unvorbereitet auf meine Seereise – ich hatte keine Tabletten gegen Seekrankheit! Oha, werden sich jetzt vermutlich einige denken! Naja, mein Magen ist so einiges gewohnt, jeder der schon mal mit mir mitgefahren ist weiß das und außerdem bin ich achterbahnerprobt, da sollte also nichts schief gehen! Unsere Kabine war am untersten Passagierdeck, und schnuckelig klein für 4 Personen. Doch wir hatten ein Fenster, durch das man aufs Meer schauen konnte! Stehend, zu viert in unserer Unterkunft war es schwer sich zu bewegen – unser Motto war da Gänsemarsch und Bauch einziehen.

Als wir über die Tyne den Hafen verließen ging es natürlich rauf an Deck um die Aussicht und die Sonnenstrahlen zu genießen. So zu reisen hat schon was … sehr mondän, vorausgesetzt die hunderten Möwen in der Luft haben ihre Darmtätigkeit unter Kontrolle! Als wir dann auf hoher See waren erkundeten wir erstmals das Schiff … es gab ein Kino, unzählige Bars, Livemusik, einen Klub, Restaurants und ein Café, in dem wir uns, um günstige 4 € einen „vergoldeten“ Cappuccino und heißes Wasser aus dem Jungbrunnen, mit Teebeutel um günstige 3€ gönnten.

Bye Newcastle

Bye Newcastle

Nachdem wir enttäuscht feststellen mussten, dass das Kino ausgebucht war, zogen wir uns in die Kabine zurück und schälten uns in unsere Sardinenbüchsen bzw. Betten. Nach ein paar Stunden Girlietalk schliefen wir dann bei regenwaldähnlichen Temperaturen zu monotonem Motorengebrumme ein. (ein Wunder, dass es in unserer Kabine nicht zu regnen begonnen hat. Das Lüftungssystem hat uns ganz schön eingeheizt.) Nach einer anstrengenden Nacht, in der vier Mal eine Alarmanlage am Autodeck nebenan losgegangen ist, kamen wir um 10 Uhr im Hafen an!

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Hello Netherlands

Ein Bus brachte uns dann durch dass flache, radfahrerverseuchte Holland in die Hauptstadt. Nach einer Ansage des Busfahrers in gebrochenem Englisch (watch your watch – damit wir nicht den Bus zurück zum Schiff verpassten) wurden wir auf die Stadt losgelassen. Bepackt mit Rucksack ging es endlich los. Nach 2 Meter wurden wir schon fast vom ersten Radfahrer über den Haufen geschoben! Das Erste was wir lernen mussten, war die Tatsache, dass Radfahrer und Mopedfahrer in Amsterdam alle Rechte haben, dann kommen Autos, dann die restlichen Fahrzeuge und zum Schluss die Fußgänger! Unseren ersten Halt mussten wir bei Starbucks einlegen um unseren Koffeinhaushalt wieder auszugleichen und uns schnell mal ins Internet zu hängen – diese Jugend von heute. Danach ging die Erkundungstour auch schon los … viele kleine Straßen, viele Grachten, viele schiefe Häuser und sehr viel Charme.

In Amsterdam liegt etwas ganz Besonderes in der Luft, und dabei meine ich nicht, das, was aus den Coffee Shops heraus dringt, es ist der Spaß und die gute Stimmung, die hier fast zum angreifen erscheint. Man fühlt sich irgendwie voller Lebensfreude, wenn man hier durch die Straßen schlendert und die Leute und das Leben hier beobachtet.

IMG_6189Am Blumenmarkt kamen wir aus dem staunen kaum heraus, da man dort alle Arten von Tulpen aber auch viele andere Pflanzen bekommt. Hier machten wir auch unsere erste Bekanntschaft mit einem Energizer/Marihuana Shop. Völlig baff von der Tatsache, was hier so alles über den Ladentisch geht, machten wir uns auf, Amsterdam weiter zu erkunden. An jeder Straßenecke stieg einem dieser bestimmte Geruch in die Nase – hier gehört das anscheinend zum guten (Geruchs)Ton.Und da war er auch schon, der erste Coffeeshop! Nun sah ich es, dass es kein Mythos war, sondern Amsterdamer Realität. Doch ich sollte an diesem Tag noch lernen, dass die Realität hier anders aussieht als in den meisten anderen Städten.

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Beim „I amSterdam“ Schild haben wir eine kurze Fotosession eingelegt. Leider mussten wir feststellen, dass die kleinen Kids viel besser darin waren, auf die Buchstaben zu klettern als wir.
Vorbei an weiteren Coffeeshops machten wir uns auf den Weg in unser Hostel. Direkt am Dam Platz erwartete ich das Schlimmste. Für die Stiege in unser Nest wäre eine Kletterausrüstung von Vorteil gewesen. Als wir dann in unserer 10 Betten Suite angekommen waren, waren 5 der Betten schon belegt. Wer zu spät kommt, muss nehmen, was übrig bleibt! Danach ging es mit leichterem Gepäck weiter.

Ich und die Käsepresse

Durch die „9 Straßen“ hin, zum Anne Frank Haus, danach ins Käse Museum, das aus einem kleinen Raum mit einer Melkmaschine, einer Käsepresse und dem Foto einer Kuh bestand. In Amsterdam nimmt man es mit der Definition eines Museums nicht so ernst … hier ist bald mal eine Ansammlung von altem Zeug ein Museum! Danach ging es zum „Centralpark“. Auf dem Weg dort hin, habe ich Jenna circa fünf Mal das Leben gerettet, da sie ihre Leidenschaft für das Verbotene entdeckt hatte. Eine ihrer neuen Lieblingsbeschäftigungen dürfte das Überqueren von Fußgängerübergängen bei Rot sein. In Amsterdam waren es nicht nur die Autos, die ihr dabei zum Verhängnis wurden, sondern auch die „rücksichtslosen“ Radfahrer. Im Park herrschte ein reges Treiben. Eltern machten mit ihren Kindern einen Sonntagabend-Spaziergang, andere machten Sport und wir querten nur, da wir uns das Rijksmuseum und das Van-Gogh-Museum anschauen wollten, das auf der anderen Seite lag. Wir entschieden uns dann gegen einen Besuch der Museen, da wir dafür eine Bank hätten plündern müssen, und uns das dann doch zu gefährlich schien. Schließlich hatten wir noch immer kein Geld in Essen investiert.

Als wir dann wieder im Hostel ankamen, um unsere Dinnerpläne zu besprechen und unsere Beine kurz zu entlasten (Schuhe wurden nicht ausgezogen, da die Füße zu diesem Zeitpunkt einer natürlichen Kampfwaffe glichen) lernten wir unsere Zimmerkolleginnen kennen. Ein Mädel aus Nord-Irland, eines aus England, eines aus Neuseeland und zwei Mädels aus Chicago. Nach einer ersten kurzen Kennenlern-Runde, bei der es hauptsächlich ums Fortgehen und Partygewohnheiten ging, machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, in dem wir alle problemlos essen konnten. Das war gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass Christina keinen Zucker und keine Laktose verträgt und Jenna Gluten intolerant ist. Wir sind dann in einem argentinischen Steakhaus gelandet. Ich war die Einzige, die sich an ein richtiges Steak herangetraut hat. Es war nicht das beste Steak, dass ich je hatte, es war aber auch keine Schuhsohle, jedoch war das ganze vermutlich eher als Kinderportion gedacht, sodass ich mir nach dem Essen ein Schoko-Vanille-Briochgebäck in der 24 Stunden Bäckerei holte. Die meisten Fastfood Läden, Bäckereien und Waffelläden haben hier 24 Stunden offen, was vermutlich mit den Coffeeshops und dem Nachtleben hier zu tun hat.

IMG_0141Wofür ist Amsterdam noch bekannt, abgesehen von viele berühmten Malern und zügellosem rauchen? Genau, für das Rotlichtviertel und seine leichten Mädchen! Obwohl wir vier brave, anständige Mädchen sind, mussten wir das auch gesehen haben. Die kleinen Gassen mit den rot beleuchteten Glastüren, hinter denen die Frauen auf Kundschaft warten, wirken wie die Schaufenster in Shoppingstraßen für gierige Männer. Man trifft hier hauptsächlich auf angetrunkene Touristen die eine gute Zeit verbringen wollen. Den einen oder anderen haben wir hinter einer der Türen verschwinden gesehen, doch der Großteil blieb beim Windowshopping und sparte das Geld für einen Coffeeshop-Besuch oder die überteuerten Getränke und Essen. Wenn du hier als Tourist überleben willst, musst du tief in die Tasche greifen, was für uns Studenten, mit kleinen, schlecht gefüllten Taschen ganz schön hart war!

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Nach einiger Zeit fühlten wir uns in dieser Gegend nicht mehr so wohl und beschlossen auf ein „Feierabend-Bier“ zu gehen. Wir hatten Glück und fanden eine kleine Privatbrauerei mit Bier-Pub, wo wir uns durchs hauseigene Bier kosteten. Nach diesen Kostproben muss ich sagen, dass holländisches Bier frauenfreundlich schmeckt … oder vielleicht hatte ich bei meiner Bierwahl einfach nur Glück, denn schließlich hatte mein Bierglas auch einen gewissen Girly-Touch! Einer unserer Freunde aus Newcastle war auch gerade in Amsterdam und wollte sich dann noch unbedingt mit uns in einem Coffeeshop treffen. Naja, wenn man schon einmal da ist, dann sollte man so etwas doch wenigstens von innen gesehen haben. Als wir dann durch die Türe traten, war sofort klar, dass das nichts für uns war und wir beschlossen den Abend in unserem Hostel entspannt, in schlafender Manier zu beenden. Nachdem wir noch unsere Geschichten mit den anderen fünf Mädels ausgetauscht haben, war es Zeit unsere Energiereserven wieder auf zu tanken.

Mehr von unserem Abenteuer in Amsterdam gibt es bald … nur hier!

Cheerio

Einmal schottische Klischees zum mitnehmen, bitte!

Was gibt es über Schottland zu wissen? Es ist im Norden der Insel. Dort gibt es Nessie, Männer tragen Röcke, die sie Kilt nennen, das Nationalinstrument ist der Dudelsack und das Nationalgericht nennt sich Haggis, eine Köstlichkeit bei der Schafsinnereien im Schafsmagen gekocht werden. Schottland ist das Land in dem es vermutlich gleich viele Whiskey-Sorten, wie Einwohner gibt und die Hauptstadt dieses wunderschönen (noch) Teils Großbritanniens ist Edinburgh. Und in genau diese Stadt hab ich mir genauer angesehen, oder zumindest so genau, wie es an einem Tag geht.

Edinburgh

Nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt, in einem Vehikel, das einem Toaster glich, wurden wir ohne Stadtkarte und ohne nähere Infos ab- bzw. ausgesetzt. Zum Glück fanden wir gleich die zwei wichtigsten Läden einer jeden Reise: ein Touristen-Info Center und einen Starbucks. Mit einer Stadtkarte und einem heißen Kaffee in den Händen ging es dann hinaus ins windige Edinburgh, um die sagenumwobene Burg zu erkunden.

Auf unserem Weg fanden wir an fast jeder Straßenecke traditionell gekleidete Dudelsackspieler. Das Können der verschiedenen Spieler war circa so facettenreich wie das der Kandidaten bei „der großen Chance“. Die einen hatten Probleme das Instrument richtig „anzustarten“, sodass die fabrizierten Töne denen einer, an Bronchitis leidenden Ente glichen. Andere wiederum spielten die Titelmelodie von Starwars – da war für jeden Geschmack etwas dabei, von „Zwölftonmusik“ bis Pop. Den Touristen waren das Können und die Darbietungen egal, denn die waren nur auf eines aus – Fotos mit einem typischen Schotten zu machen. Artig wie die Dudelsackspieler waren, standen sie still und ließen sich bereitwillig ablichten. Auch wenn ich auf touristischer Mission war, so hab ich mich dann doch nicht zu einem Touri-Foto hinreißen lassen und blieb auf Abstand.

Die Burg oder das Schloss wie man es auch bezeichnen will, habe ich nur von außen gesehen. Der Eintrittspreis von 16 Pfund verdirbt einem dann doch die kulturell Vorfreude und lassen mich als Menschen zurück, der den großen Klotz nur von außen gesehen hat. Allerdings machten wir einen kleinen Abstecher in den Touristenshop, der mit überteuerten schottischen Schals, Woll-Accessoirs und Schokolade den Touristen das Geld aus der Tasche zieht. So ging es für uns dann weiter, auf den großen Touristen-Trampelpfad Edinburghs, der gesäumt von Kiltshops und Souvenirläden war bzw. ist.

Doch wenn man mit offenen Augen durch die Stadt läuft, kann man so manch schönes Fleckchen entdecken, für das man kein Geld bezahlen muss.

Auf Wunsch meiner Wochenende-Reisegruppe (die sich immer aus denselben Leuten zusammensetzt) haben wir dann auch noch den „Palast“ der Stadt gesucht. Während unseres Entdeckungsspaziergangs sind uns viele Männer im Kilt begegnet – schottischer geht es kaum noch! Doch nach kurzer Zeit kam die Ernüchterung – alles nur Touristen – vor allem eine deutsche Männer-Reisegruppe im Kilt – das nenne ich Vorspiegelung falscher Tatsachen.
Auch der Palast war mehr oder weniger ein Reinfall, denn auch hier knöpft man den Touristen so manchen Pfund ab, und so besonders war der alte Kasten dann auch wieder nicht, dass ich dafür mein Budget schröpfe.

Da beschlossen wir, das Geld lieber in unseren Körper zu investieren und etwas Essen zu gehen. Komischerweise wollte niemand, außer mir und Jenna den typischen Haggis probieren, so haben wir uns dann das vermutlich schäbigste Bistro, mit der verwirrtesten Mannschaft in ganz Schottland ausgesucht. Der Kellner konnte weniger Englisch als unsereins und die Bestellungen kamen teils falsch auf den Tisch und auch der Geschmack konnte nicht wirklich überzeugen. Da greife ich doch gerne auf ein Meme zurück um unsere Misere zu verdeutlichen:

Danke für das „tolle“ Menü

Das einzig Positive an unserer Lunchpause war, dass wir so den Regen ausgetrickst haben. „Gestärkt“ aber immer noch hungrig besuchten wir dann das schottische Nationalmuseum, von dem aus man einen wundervollen Blick über Edinburgh hat.
Auf unserem Rückweg zum Bus fanden wir dann auch noch den Coffeeshop, in dem J.K. Rowling Harry Potter geschrieben hat – ich werde hier wirklich noch zum „Potter Touri“. Doch bevor es nach Hause ging, mussten wir noch dem modernen Lifestyle frönen und warfen uns die bunte Shoppingstraßen-Welt. Shoppen scheint der Nationalsport der Britinnen zu sein, denn die Einkaufszentren und Shoppingstraßen sind von morgens bis abends vollkommen überlaufen.

Edinburgh war wunderschön und ich würde wieder hinfahren. Ich würde nun vermutlich in ein anderes Restaurant gehen, aber alles in allem ist es auf jeden Fall einen Besuch wert! Und nicht vergessen: Sag nie zu einem Schotten, dass Edinburgh in England ist … das hören sie gar nicht gerne!

Cheerio liebe Leute!

Wenn dein Horizont sich erweitert und 3-dimensional wird

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Ich hab mich aus dem Staub gemacht, hab meine sieben Sachen gepackt und bin ausgeflogen. Ganz alleine, ohne Mama, Papa oder Freunden nenne ich ein, mehr oder weniger fremdes Land für fünf Monate mein Zuhause. Fünf Monate sind keine Ewigkeit – für Kosmopoliten. Ich bin da eher der Komfortzonen-Typ, der sich Zuhause recht wohlfühlt.

Wer will auch ein Extra-Risiko eingehen, wenn alles gerade so gut passt. Mein Leben verläuft in geregelten Bahnen, mein Studium macht mir Spaß, meine Freunde sind die Besten, die man sich nur vorstellen kann – alles ist toll, doch irgendetwas fehlt. Im Alltagstrott ist es nicht so einfach dahinter zu kommen, was einem ständig zum grübeln bringt. Jeder Tag ähnelt dem vorherigen fast zu 100%. Jeden Tag dasselbe Frühstück, der Terminplan ist im Gehirn abgespeichert, weil sich sowieso nichts ändert und die Abende verbringt man vorzugsweise vor dem Fernsehapparat. Die Wochenenden geben auch nichts mehr her. Als Student sollte man doch eigentlich die Nacht zum Tag machen und das bisschen Popkultur frönen, was uns noch übrig geblieben ist. Aber auch die Studenten sind ihren Lebensstil müde geworden und beschränken sich lieber auf ihre eigenen vier Wände. Halten mit dem Hintern lieber die eigenen Sitzgelegenheiten nieder. Das Problem liegt gar nicht daran, dass in der Stadt nichts los wäre oder es keine Bereitschaft zum Fort gehen gibt. Es liegt viel eher daran, dass viele Studenten die Gemütlichkeit für sich entdeckt haben, und durch eine durchzechte Nacht den nächsten Tag nicht komplett aus dem Kalender streichen wollen. Ich muss einfach raus aus dieser bunten Tristesse, einmal etwas Neues ausprobieren und über meinen eigenen Schatten springen. Raus aus der Komfortzone hinein in die Ungewissheit. Ein Auslandssemester ist da genau das Richtige, schließlich kann man da von einer sicheren Ungewissheit sprechen. Normalerweise kommt es zu keinen unangenehmen Überraschungen oder schwierigen Situationen, es kommt einfach nur darauf an, was du daraus machst!

Durham

Die Reisegruppe „Durham“: Katharine, ich, Jenna, Christina und Tom

Die erste Hürde ist es, sich mit ganzem Herzen für ein Semester in einem fremden Land zu entscheiden. Wenn man sich nicht wirklich sicher ist und nicht von seinen Liebsten und seinem Umfeld unterstütz wird, ist das ganze Unterfangen noch um einiges schwieriger. Ich habe Glück und werde von meiner Familie unterstütz wo es nur geht, und dabei rede ich nicht nur von finanzieller Unterstützung. Von Zeit zu Zeit brauche ich Zuspruch, wie es ein krankes Reh braucht. Wenn ich wieder einmal von Selbstzweifel überfallen werde, sind sie es, die mir wieder den Rücken stärken und mich voran treiben.

Durham

auf den Spuren Harry Potters in Durham

Nach den vielen Hürden aus E-Mails und Formularen muss ich dann alleine in den Flieger steigen und ins bekannte Ungewisse aufbrechen. Eine längere Zeit in Großbritannien zu verbringen war schon immer mein Traum. Aber es ist noch einmal etwas ganz anderes, wenn du diesen Traum dann wirklich in die Tat umsetzt. Du kommst in eine fremde Wohnung, die dein Zuhause ist sich aber nicht danach anfühlt. Die einzige Person, die du kennst, ist die Frau, die dich skeptisch aus dem Spiegel betrachtet und die nette Dame an der Rezeption, die dir deine Wohnung gezeigt hat.

mein erstes Essen im Pub

Mein erstes Essen im Pub: man beachte die Beilagen

Das erste Zusammentreffen mit den Mitbewohnern hat etwas vom ersten Schultag. Du weißt, dass du mit diesen Typen die nächsten Monate eine Wohnung teilst, wer sie sind weißt du aber nicht. Ich gehe erstmals nicht vom Schlimmsten aus und gehe vorurteilsfrei auf jedes neue Gesicht zu. Diese neu erlernte Eigenschaft ist auch schon mitunter ein Punkt, warum ich mein Auslandssemester liebe. Du kannst hier nicht großartig wählerisch sein, was Freundschaften anbelangt – ja das klingt jetzt vielleicht ein bisschen hart. ABER ich lerne hier so viele verschiedene Persönlichkeiten, von verschiedenen Kontinenten kennen und ich lerne sie auch zu schätzen. Es wird nicht in Kategorien gedacht, es geht in erster Linie darum, sich gegenseitig ein bisschen Halt zu geben und das Gefühl von Freundschaft auch in den ersten Tagen und Wochen zu spüren. Denn diese Freundschaften sind es, die schlimme Tage wieder erträglich machen, wenn mal niemand da ist, den du anrufen kannst. Sie sind es die dich wieder auf den Boden der Tatsachen holen, und die dir weiterhelfen, wenn du nicht mehr weiter weißt.

Unterwegs mit meinen Mitbewohnern

Unterwegs mit meinen Mitbewohnern

Bis jetzt verlaufen die ersten Wochen nach Plan und völlig zu meiner Zufriedenheit. Ich habe meinem gefängniszellenähnlichen Zimmer schon ein bisschen Charm verliehen. Ich habe mir Schuhe gekauft, damit ich mich mädchenmäßig wohlfühle und die Treter meiner Gemütslage anpassen kann. Doch von Komfortzone kann man von meiner neuen Bleibe noch lange nicht sprechen, wohl eher mehr von überdachtem Feldlager. Trotzdem ist es in Ordnung, so wie es ist.

Um das Land und seine Leute besser kennen zu lernen, versuche ich, so viel wie möglich zu sehen. Neue Eindrücke zu sammeln, meinen Horizont zu erweitern. Über die eigenen, oft großen Schatten zu springen und als Person offenherzig und ehrlich auf alles zu zu gehen was auf mich zu kommt. Und wenn sich mir etwas in den Weg stellen sollte, dann wird es einfach frech weg gelacht – einfach so sein, wie ich immer bin!

Cheerio und die besten Wünsche aus Newcastle …

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