Träge schleppt sich das studentische Faultier …

Wer feiern kann, der kann auch ruhig mal auf die Uni gehen. Ja ja, ich weiß, ich hab jetzt immer nur von meinen Abenteuern erzählt, aber jetzt kommen wir mal zum Ernst meines Lebens. Ich bin schließlich hier um zu studieren und nicht um Party zu machen (zumindest nicht nur).

Am Montag hat meine zweite Woche an der Northumbria University begonnen. Meine erste Vorlesung des Tages war Digital Journalism im Basement des Lippmann-Building … das heißt so viel wie die Vorlesung ist im Keller. Irgendwie war auch meine Stimmung im Keller. Nicht nur, dass der Teppich einen recht eigenartigen Geruch absondert, es zieht auch noch durch alle Ritzen in den Wänden. Das macht nicht gerade Bock auf zwei Stunden Uni-Spaß. Der Vortragende, Mark Davenport ist aber wirklich sehr nett und macht die Vorlesung wirklich interessant. Trotzdem war ich froh, als ich 2 Stunden später den Keller wieder verlassen durfte, und durch das Labyrinth an Gängen wieder zurück ans Tageslicht gefunden habe.

Als kleinen Ausgleich und auch um mich aus meinen Faultierschlaf zu holen, habe ich mich wieder mit Jenna zum laufen getroffen und wir haben wieder unsere üblichen Runden durch den Park gedreht, bis uns schwindelig war und uns die Puste ausgegangen ist. In dicke Schichten eingepackt, liefen wir dann wieder an leicht bekleideten Sportlern, in knappen Laufshorts vorbei und direkt nach Hause in unsere warmen Buden. Ja, auch die Sportler halten nicht viel von an die Jahreszeit angepasster Kleidung – es muss wohl nur schön luftig sein. Ich bekomme beim Anblick von kurzärmligen T-Shirts und knappen Laufshorts jedes Mal das große Frieren.

Am Nachmittag hatte ich dann meine nächste Vorlesung mit dem wundervollen Namen Constructing Reality. Kurz gesagt geht es dabei um die Tatsache, wie Nachrichten für Konsumenten erschaffen werden, wie die Nachrichten durch Politik, PR und andere Einflussfaktoren beeinflusst werden (an alle meine lieben JPR12er … Habermas hat mich bis hierhin verfolgt). Ich war an diesem Montag die Erst im Vorlesungsraum – da hab ich mich fast ein wenig unwohl gefühlt. Nach den zwei Stunden, die mich auch nicht sonderlich vom Hocker gerissen haben, bin ich in den nächsten Supermarkt gegangen und hab mir 4 Twix gekauft. Ich muss schließlich auf meine ausgewogene Ernährung achten, und da diese bis jetzt nur aus Nudeln, Reis, Gemüse und Tote bestanden hat, haben eindeutig die Komponenten Zucker und Schokolade gefehlt. Tja, deshalb hab ich an diesem Abend auch gleich zwei Stück gegessen, um keine bleibenden Schäden davon zu tragen.

Der Dienstagmorgen begrüßte mich wieder einmal mit Regen. Es ist wirklich kein Klischee, dass das britische Wetter grau und regnerisch ist – es ist so, aus und fertig. Aber wer hier beginnt Trübsal zu blasen und sich durch den Regen den Tag vermiesen lässt, der hat recht schnell verloren und kann gleich zum Einsiedlerkrebs mutieren. Auch wenn es schwer fällt, musst du dich an den grauen Tagen aus dem Bett erheben und versuchen das Beste aus dem Tag zu machen. Ich habe den Dienstag Vormittag Großteils mit Recherchearbeit für meine Abschlussarbeit in Digital Journalism verbracht. Ich muss für diese Lehrveranstaltung einen Newsbeitrag schreiben, begleitet von Audio, Video, Infografiken oder auch Slideshows machen. Ein interessantes, gutes Thema zu finden ist gar nicht so einfach, wenn du in einer fremden Stadt bist. Ich hab mich wieder wie am Anfang meines Journalismusstudiums gefühlt. Was soll ich tun und wo soll ich anfangen und wo wieder aufhören? Mit einem Thema bewaffnet, machte ich mich am Nachmittag auf in mein Seminar um mein Thema meinem Tutor vorzustellen. Und, was soll ich sagen, er war begeistert! Meine nächste Story wird von Geisterjägern in Newcastle handeln, die hier einen auf Ghost Busters machen und dafür auch noch Leute mitnehmen um ihnen die Existenz von Geistern zu beweisen. Ich bin schon richtig gespannt!

Den Abend ließen wir gewohnt gemütlich in unserer Küche ausklingen. Jeder durfte sein Leid klagen und wurde von vier anderen bemitleidet. Jeder durfte ein paar skurrile Youtube Videos herzeigen und um Kritik für derzeitige Uniarbeiten bitten. Ja so sind wir, die fünf kreativen, wissenschaftlichen Krieger aus Lovain Flats 5/30.

Die Feuertüre

Oh ganz kurz am Rande … wir haben mit unseren Nachbarn Kontakt aufgenommen … mit einem Zettel den wir unter derTür durchgeschoben haben. Wir haben nämlich eine Feuertür in unserer Wohnung, die in die nächste Wohnung führt. Natürlich ist sie verschlossen, sollte es aber mal brennen, müssen die fünf von nebenan, durch unsere Küche flüchten. Na dann Prost Mahlzeit! Auf jeden Fall hatten die eine kleine Party und hörten gute Musik, und weil wir mithören wollten, haben wir sie auf dem Zettel gebeten, die Musik lauter zu drehen. Das taten sie auch, begannen dann aber auch zu schreien und versuchten so irgendwie mit uns zu kommunizieren. Tja, da haben wir jetzt was angefangen!

Cheerio … man liest sich wieder

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So siehts aus, und nicht anders …

Ein kleines kurzes Filmchen über Newcastles Nachtleben und sonderbaren Kleidungsgewohnheiten. Nachdem Film werdet ihr verstehen, warum ich hier sofort als Austauschstudentin erkannt werde.

Have fun … und an meine Eltern: keine Sorge, so lauf ich nicht herum!

Das Nachtleben ist wie ein bunte Wundertüte …

… denn du weißt nie was du kriegst. 

Nachdem wir am Freitagabend eine herbe Partyenttäuschung erlitten hatten, musste der Samstag alles wieder gut machen. Denn dieser Freitagabend war einfach nur eigenartig. Zuerst waren alle vom Gedanken, endlich aus der Wohnung raus zu kommen begeistert, und dann als wir bei der Party in der Students Union angekommen waren, war nichts los. Da sind ein paar schwindelige Typen in Sumo-Ringer-Kostümen herumgetorkelt und haben sich gegenseitig auf die Matte geworfen aber das wars auch schon. Und dafür haben wir uns extra schick gemacht. Ist ja nur verständlich, dass dann die Stimmung im Keller war. Deshalb sind wir dann wieder nach Hause gegangen und haben uns was zu essen gemacht, das ist doch auch was Feines. Der Freitag war somit erledigt!

Am Samstag sollte eigentlich der große Tag sein, an dem ich endlich einen Ausflug machen würde. Ich bin extra um 7 Uhr aufgestanden, bin überpünktlich zum Treffpunkt gegangen, von wo uns der Bus abholen sollte. Katharina und ich wollten mit der Students Union mit nach Leeds fahren, um uns die Stadt anzusehen. Leeds ist nichts besonders, aber wenn ich schon mal hier bin, dann sollte ich mir ja wohl auch die Gegend ansehen. Tja, es kam aber ganz anders, denn es kam kein Bus und auch keine anderen Leute, wir standen ganz alleine in der Gegend herum. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass an einem Samstagmorgen eher wenig am Campus los ist, und nicht so viele Leute anzutreffen sind. Darum warteten wir bis 9 Uhr, bis wir jemanden fragen konnten. Dann hieß es, dass man uns den falschen Treffpunkt gesagt hatte, und der Bus ohne uns nach Leeds gefahren ist. Also ein ganzer Samstag für mich in Newcastle. Eigentlich war es dann gar nicht so schlecht. Ich habe mich mit Jenna, einer ganz lieben Freundin aus New Jersey zum Laufen verabredet. Wir haben ein paar Runden durch den Park gedreht, bis dann ein Gewitter aufgezogen ist. Und plötzlich war ich eigentlich ganz froh, dass ich nicht nach Leeds gefahren bin.

Zu Hause angekommen, haben sich alle meine Mitbewohner über meine Leeds-Gechichte köstlich amüsiert, und dann aber vorgeschlagen, dass wir an diesem Abend mal richtig weggehen sollten. Doch als die Stunde des Aufbruchs heranrückte, und wir alle versammelt an unserem Esstisch saßen, hatte keiner mehr so richtig Lust etwas zu unternehmen. Ja genau, Studenten haben manchmal keine Lust, sich herzurichten und fort zu gehen. Trotzdem schafften wir es irgendwie, um 23 Uhr das Haus zu verlassen. Geschniegelt und gestriegelt ging es denn in Richtung Central Station zum Club Digital. Während des 25-minütigen Fußmarsch begegnete uns so manch Kurioses. Grölende, betrunken Briten, Mädels in den kürzesten Kleidchen, betrunkene Mädchen, die von der Polizei betreut werden mussten, und noch vieles mehr. Wer glaubt, das Univiertel in Graz sei laut und ein Sündenpfuhl, der hat das hier noch nicht gesehen. Ein ganzer Stadtteil wird hier freitags und samstags zur Partyzone, Jung und Alt gehen aus und lassen es in den Clubs so richtig krachen. Als wir endlich beim Club angekommen waren mussten wir uns anstellen – eine ganze Stunde lang. Für uns war das kein Problem, schließlich trugen wir alle unsere Winterjacken und wir Mädels hatten auch Strumpfhosen an. Hinter uns war eine Gruppe ziemlich betrunkener britischer Mädels ohne passender Warteausrüstung (heißt Jacken und Strumpfhosen). Zwei von ihnen versuchten ihr Glück und wollten nach vor rennen, was aber keine so gute Idee war mit ihren 10 cm High Heels. Da sie sich an der Hand hielten, kamen sie nur zwei Meter, bis eine auf die andere viel und sie gemeinsam zu Boden krachten. Das Ganze sah verdammt schmerzhaft aus, und noch dazu erniedrigend. Da die Kleider der beiden wirklich nur das Nötigste bedeckten, gaben der Sturz und ihre Liegeposition am Boden, den umherstehenden Personen nun mehr Einblicke als man eigentlich haben möchte. Aber wie heißt es so schön, die Betrunkenen haben das Glück, und die ganze Gruppe zog unverletzt von dannen. Während der einstündigen Wartesession konnte wir super mit anderen Leuten quatschen und lernt so lustige neue Menschen kennen – gemeinsames Frieren verbindet.

Im Club war es dann ganz okay. Es gab drei verschiedene Floors, wo für jeden Geschmack etwas dabei war. Als wir gerade am Tanzen waren, kam ein Typ zu mir und meint „I love your hair. Your hair looks so wonderful!“ Hhhhmmm okay, dachte ich mir – irgendwie eigenartig, du solltest einfach mal debil grinsen und nicken. Tja irgendwie wurden wir den Typen und seine Freunde dann nicht mehr los und sie folgten uns immer, sehr dezent und unauffällig (so weit das für 8 Jungs möglich ist) durch den Club. Jetzt denke ich mir, dass der vielleicht Friseur war, und ich hätte ihn gleich mal fragen sollen, wo er denn arbeitet, schließlich brauchen meine Haare mal wieder einen Haarschnitt.

Als wir dann um 3 Uhr ein Taxi nehmen wollten, mussten wir uns wieder anstellen und warten. Aber auch hier bekamen wir etwas geboten, schließlich soll es an einem Samstagabend nicht langweilig werden. Die Jungs vor uns in der Schlange fingen plötzlich an, andere Typen anzupöbeln, nichts Schlimmes nur ein paar postpubertäre Wortgefechte. Doch der Clou war, als wir in unser Taxi einsteigen wollten und plötzlich ein Betrunkener von der anderen Seite sich einfach richtig frech auf die Rückbank pflanzte. Der Taxifahrer hat dann versucht den verwirrten jungen Mann aus dem Wagen zu zerren, doch dem war das gar nicht recht. Der Betrunkene hat dann all seine Kong Fu und Boxtechnicken, die er vermutlich aus Rocky und Kong Fu Panda hatte, ausgepackt und wollte mit dem Taxifahrer eine Schlägerei anfangen, mitten auf der Straße. Tja, Samstagnacht in Newcastle ist ein Erlebnis! Das nächste Mal werde ich mein Smartphone mitnehmen, vielleicht kann ich dann ein paar amüsante Videos machen.

Ja ich weiß, ich bin hier um zu studieren – bis jetzt drehen sich meine Blogbeiträge größtenteils um meine Freizeitaktivitäten. Aber es hat ja erst meine zweite Uniwoche begonnen. Irgendwann wird da auch mal was Spannendes passieren, aber bis dahin bleiben mir noch immer die Anekdoten der Nacht! …

Cheerio mein Lieben!

Vergiss die Tage, ich schreib es einfach

Nachdem nun für kurze Zeit meine natürlich Blogfaulheit wieder aufgekommen ist, habe ich beschlossen ich nehme die Last von meinen Schultern täglich zu schreiben. Es ist ja auch gut wenn ich meine Leser (sollte es die auch wirklich geben) ohne Zwang und Zeitdruck auf dem Laufenden halte.

Ich habe hier nun mein erstes Wochenende überlebt! Ja, ich meine es so, wie ich es geschrieben habe. Das erste Wochenende in Newcastle stellte für mich den größten Horror dar. Was wenn ich noch keine Freunde habe, und ich ganz alleine in meinem Zimmer sitze? Was wenn ich unertragbares, grausames Heimweh bekomme? Ich kann euch beruhigen, denn diese Dinge sind nicht eingetreten!

Freitag Abend sind wir mal „newcastle-mäßig“ fort gegangen, ja wir sind zu 10 auf die Piste gegangen. UND man hat es uns angesehen, dass wir alles Austauschstudenten sind. Die Mädchen hatten zu viel an und waren auch zu nüchtern und die Jungs, waren eindeutig auch zu nüchtern. Trotzdem hatten wir richtig viel Spaß, vielleicht auch deshalb, weil im Club eine Hüpfburg war … da wurde das Kind in uns wieder wach.

Dank unseres (zeitlich) ausufernden Clubaufenthalt viel unser Ausflug an die Küste am nächsten Tag ins Wasser. Dafür machten Newcastle und den St.James Park unsicher. An alle fußballafinen Jungs – der Fanshop von Newcastle United ist riesig und du kannst so ziemlich alles von denen kaufen, hab nur noch keine Tapeten gefunden! Nach einem ausgedehnten Spaziergang sind wir dann in ein Pub um unseren Lunch zu uns zu nehmen. Ich werde es vermutlich nie verstehen, warum ich zu einem Panini, Chips bekomme, aber was solls, ich esse sie trotzdem!

Sonntag war es dann endlich so weit … es ging raus an die Küste! Rein in die U-Bahn und raus an den Strand. In der U-Bahnhaltestelle von Tynemouth fand gerade der wöchentliche Skurilitätenmarkt statt. Natürlich musste ich da mal durchschlendern. Es könnte wirklich passieren, dass ich mir eine dieser Old-Lady-Fashion Pelzhauben kaufe. Es regnet zwar an diesem sehr britischen Sonntag, doch das machte uns nichts aus. Am Strand angekommen haben wir dann den vielen Menschen zugesehen, die dort mit ihren Hunden gespielt haben. Es war ein sehr entspannender und toller Tag in Tynemouth, und als dann am Nachmittag auch noch die Sonne durch die dicke Wolkendecke durchbrach, war es fast perfekt.

Am Montag hatte ich dann meine ersten Lectures … Um 9:00 war Digital Journalism dran. Tja ich musste in einen Vorlesungsraum in den Keller gehen, wo alles mit Teppich ausgelegt war (ich bin ja nur froh, dass in den Badezimmern und Toiletten kein Teppichboden ist). Es hat ein wenig muffig gerochen, muss ich ganz ehrlich sagen. Meine Mitstudenten waren alle noch ziemlich verschlafen, aber die Vorlesung war gut – was soll ich sagen, Journalismus und Internet – eh schon wissen … Am Nachmittag hatte ich dann noch eine Vorlesung (Constructing Reality) mit einer sehr interessanten Vortragenden. Sie hat irrsinnig viele Bücher zu Geschlechtsspezifischen Themen in den Medien geschrieben. Das wird sicher ein sehr interessanter Kurs werden.

Tja und gestern hatte ich dann auch gleich mein erstes Seminar in Digital Journalism. Wir mussten Beispiele für gute und schlechte News-Webseiten mitbringen. Ich habe den britischen Studenten mal news.ord.at gezeigt. Tja was soll ich sagen, sie waren baff. Aber nicht im positiven Sinne. Langweilig, alt und hässlich waren die Schlagworte die ich mir gemerkt habe. Als gutes Beispiel habe ich dann die Seite des wired-Magazin vorgestellt (die ich nun dank Lucas Kundigraber kenne). Und was soll ich sagen, der Vortragende hat meine Präsentation sehr gelobt!

Tja, das war ein kurzer Rückblick auf ein mehr oder weniger spannendes Wochenende … bald wird es wieder neue Geschichten aus Newcastle zu berichten geben … Also immer schön mit mir mitfiebern!

Tag 3 und 4 – Es entwickelt sich

Ja, es entwickelt sich so etwas wie Freizeitstress. Ich möchte gerne alles sehen, überall dabei sein und alles erleben, was nur irgendwie möglich ist.

Das Wichtigste ist, wenn du in ein neues Land kommst, gleich mal so etwas wie Freunde zu finden, mit denen du Zeit verbringen kannst. Dazu gehst du, als Erasmus-Studentin einfach zu allen Willkommensveranstaltungen, die es an der Uni gibt. Das ist eigentlich der sicherste Weg. In Newcastle ist es so, dass die Austauschstudenten zu gut 70% Amerikaner und Australier sind, 20% aus asiatischen Ländern und 10% Europäer oder Südamerikaner – so kommt es mir zumindest vor, wenn ich die Leute frage, woher sie kommen. Am Ende des Semesters wird dieser internationale Mix sicher einen interessanten Englischen Akzent bei mir ergeben.

Oh und wir haben jetzt auch noch einen fünften Mitbewohner bekommen. Lao (ich glaube so heißt er, ich verstehe ihn sehr schlecht) kommt aus Brasilien und studiert „criminal investigation“ oder so etwas, auf jeden Fall das, was die bei Criminal minds immer so machen.

Mir persönlich kommt es so vor, als hätte ich noch nicht viel von Newcastle gesehen. Ich bewege mich immer nur auf denselben Straßen herum, weil ich Angst habe, dass ich mich verlaufen könnte – ja ich weiß, das ist die richtige Einstellung, nur nicht sich zu weit vom Nest entfernen, das könnte unschön werden.

Nachdem meine Mitbewohnerin Andrea all ihre Modelle für ihr Studium abgegeben hatte, wollte sie mit uns ins Pub gehen, um auf die getane Arbeit anzustoßen. Wir sind dann ins Hancock gegangen auf ein Bier oder einen Cider. Dort hat es nur so vor Leuten gewimmelt. Schnell holten wir uns an der Bar die Getränke um uns dann, im Jänner in den vollen Gastgarten setzen. An der Bar habe ich etwas Amüsantes beobachtet: Als ein Typ ein Bier bestellt hat, hat er nicht „please“ gesagt, und der Barmann hat solange zu ihm „please“ gesagt, bis der Typ es endlich geschnallt hatte und sein Bier höflich bestellte hat. So erzieht man seine Kundschaft! Im Gastgarten war es irrsinnig laut und voll, so etwas kennt man bei uns gar nicht. Ich fand’s toll, auch wenn ich mein eigenes Wort kaum verstanden habe.

Nach dem Pubbesuch waren Katharina (Austauschstudentin aus Deutschland) und ich zu einer Geburtstagsparty bei ein paar Amerikanern eingeladen. New Jersey und Baltimore treffen auf Österreich und Deutschland. Als wir um 22:00 Uhr bei ihnen ankamen, waren die Jungs schon ziemlich gut drauf und spielten ein Trinkspiel nach dem anderen. Eines muss man ihnen lassen, die Spiele waren recht amüsant, auch wenn Katharine und ich nur herrliches, mit Chlor versetztes Wasser getrunken haben. Um halb 12 sind wir dann aufgebrochen, um noch ein wenig das Nachtleben von Newcastle zu erkunden, dass aber an einem Donnerstag Abend, nicht wirklich existent erschien. Deshalb hatten Katharina und ich dann beschlossen, doch lieber zur Brücke runter zu gehen und uns die Tyne mal bei Nacht anzusehen. Das hat sich dann auch wirklich gelohnt, und danach sind wir nicht Hause marschiert.

Auf unserem Heimweg sind wir dann doch noch an einigen vollen Clubs vorbei gekommen. Anscheinend waren wir nur in den falschen Lokalitäten. Ich bin noch immer beeindruckt von der Fortgeh-Bekleidungsmentalität, die in Newcastle vorherrscht. Auch wenn es kühle +1°C hat, hat niemand eine Jacke an, weil es in den meisten Clubs keine Garderobe gibt. Jungs tragen kurzärmlige T-Shirts und die Mädels sind sowie die ärgsten. Mädels tragen hier 10cm High Heels, kurze Kleidchen, wenn geht hauteng, egal ob es der Figur schmeichelt oder nicht, es wird sich reingezwängt, sodass es bei manchen wie ein zu fest gewickelter Verband aussieht. Und das Tüpfelchen auf dem i ist, das 90% der weiblichen Partypeople auch keine Strumpfhosen tragen … man steht hier anscheinend auf naturweiße Beine ohne Nylon.

Mehr von meinem Partyabenteueren gibt es bald …

Tag 2 – Feueralarm und Herzliches Willkommen

Alles hat damit begonnen, dass ich gestern doch noch mit meinen Mitbewohnern gesprochen habe, bis plötzlich der Feueralarm losging. Wenn in einer Wohnung der Alarm losgeht, dann in allen Wohnblöcken, und das bedeutet: raus aus der Bude und ab zum offiziellen Treffpunkt. Eigentlich war das ganze, wie eine nächtliche Jogginghosenparade, denn alle waren natürlich schon gemütlicher unterwegs in ihren WG’s (bis auf die paar, die in Bademäntel und Hausschuhen kamen – nacktes Bein zu zeigen, bei 2°C ist ganz schön mutig).

Die darauf folgende Nacht war relativ unruhig und kurz, da sich die Federn meiner Matratze mit viel Freude in meinen Rücken bohrten. Aber am Morgen hieß es „put on your wlaking shoes and get your camera“. Eine kleine Erkundungstour in Newcastle, bei der ich eine nette Studentin, des Meet and Greet Teams traf, die mich gleich für nächsten Sonntag zu einem Treffen einlud. Danach ging es weiter durch die Straße von Newcastle und als Abschluss machte ich eine kleine Tour durch den örtlichen Primark. Um halb eins schlenderte ich wieder langsam, in meine Wohnung zurück, um dann gemeinsam mit meinem Mitbewohner Justin zum „Welcome Event“ eilte. Nach langer Suche fanden wir dann doch noch den Eingang, der sich hartnäckig versteckte. Dort lernte ich wieder neue Leute kennen. Zwei Mädels aus Minnesota und eine aus Deutschland. Mit den dreien verabredete ich mich gleich zu einem Getränk am Abend, um nicht wieder im Zimmer hocken zu müssen.

Als ich zurück in die Wohnung kam, saß meine Mitbewohnerin Andrea (sie studiert Interior Design) an unserem Küchentisch und baute ihr Modell eines Restaurants/Lounge/Bar. Das ist echt ganz schön viel Arbeit aber auch echt interessant.

Um 9 trafen wir uns dann alle zu einem Getränk im Habits, der Unibar. Mittlerweile waren wir eine ganz schön große Gruppe. Drei Franzosen, mit sehr interessanten Akzent, ein Brite und ein ein Holländer. Mit Tom, dem Briten und Cas, dem Holländer war es ganz witzig, da die beiden Klimawandel, besonders die Auswirkungen auf die Gletscher erforschen, sie haben mit mir die ganze Zeit über Österreich gesprochen, was wirklich nett war.

Die Zweite Nacht in meinem Bett war schon etwas angenehmer, da ich mir eine zweite Decke gekauft habe und die nun als Unterlage verwende.

Am Dienstag habe ich endlich meine Räumlichkeiten kennen gelernt, in denen ich meine zukünftige Uni-Zeit verbringen werde. Sieht alles ganz nett aus. Es gibt sogar ein eigenes Fernsehstudio mit Teleprompter und allem Drum und Dran … ziemlich cool. Danach ging ich auf Erkundungstour in Newcastle … die Stadt hat schon so seinen eigenen Charm.  Am Abend hat es dann doch noch einen kleinen Krise-Anfall meinerseits gegeben, weil ich einen Vortrag über „Feuerprävention“ verpasst hatte. Anscheinend hat man in Großbritannien panische Angst vor dem großen Feuer, denn es dreht sich alles nur um Feueralarm, Überprüfen ob die Fluchtwege frei sind usw. Feuerwehrleute müssen hier sehr angesehen Leute sein.

Tag 1 – Der Einzug in das „Schloss“

Der Tag der Tage … ein Dorfkind macht sich auf die Reise nach Großbritannien. Newcastle upon Tyne soll es sein, und das auch noch für die nächsten fünf Monate. Na das kann ja was werden. Um 4:30 ging es los. Raus aus den heimischen Gefilden und den noch warmen Federn nach Wien, wo mein Flieger starten sollte.

Im ausgebuchten Flug nach London Heathrow war man dann wirklich sehr international unterwegs und unterhielt sich in vielen bunten Sprachen. Nur ich war alleine und hab mich mit mir selbst unterhalten. In Heathrow angekommen ging es dann zum nächsten Terminal, denn mein Ziel war noch nicht erreicht. Am Terminal 5 musste ich dann auch noch 2 Stunden Todschlagen, bis endlich mein Anschlussflug ging. Ein Kaffee hier, ein Stück Kuchen dort, dann noch ein bisschen bummeln. Wer den Terminal 5 in Heathrow nicht kennt – das Gebäude hat Ähnlichkeiten mit einem exklusiven Einkaufszentrum. Der Flug nach Newcastle war dann aber viel ruhiger und auch der Flieger war kleiner. Was braucht man denn auch einen großen Flieger, wenn die Flugzeit nur 45 Minuten beträgt. Die Board Crew hatte ganz schön zu kämpfen alle Passagiere zeitgerecht zu bedienen, denn nachdem wir unsere Reisehöhe erreicht hatten, begann der Flieger auch schon wieder zu sinken und machte sich für die Landung bereit. Man könnte es eventuell mit einem Flug von Graz nach Wien vergleichen – man kann, muss aber nicht.

Am Flughafen in Newcastle angekommen, schnappte ich mir mein Gepäck (das wider Nadines Szenario nicht verloren gegangen ist) und traf nach dem Ausgang auch schon auf zwei nette Damen der Northumbria University, die mich abholten und zu meinem Bus geleiteten. Man glaubt es kam, aber wir fuhren zu zweit mit einem 20-Personen Bus in die Stadt, eine Stretch-Limousine der anderen Art.

Und dann ging alles ganz schnell. Ich bekam meinen Zimmerschlüssel und wurde zu meiner zukünftigen Bleibe geführt. Erster Pluspunkt: Ich teile mir die Wohnung mit NUR 4 anderen Leuten. Jetzt kommt der Haken an der Bude: Die Zimmer ähneln mehr einem Kasernenzimmer beim Bundesheer als einer gemütlichen Bleibe. Die Dame, die mich zu meinem Zimmer begleitete, war etwas peinlich berührt und meinte nur :“Geht das auch wirklich für dich in Ordnung?“ Ich frage mich, was sie gemacht hätte, wenn ich Nein gesagt hätte. Mir war es aber egal, und so begann ich meine Koffer auszupacken. Dank Christoph Schattleitener, der mir ein „Care-Paket“ hinterlassen hat, hatte ich plötzlich auch Bettzeug und Kleiderbügel und konnte die Bude dann doch noch ein wenig gemütlicher machen.

Als ich dann die ersten haarigen Überreste meiner Vorgängerin in ein paar Schubladen gefunden hatte, mussten Putztücher her. Also raus der Wohnung und rein ins Geschehen. Einmal die Shoppingmeile runter, aber wo bekomme ich hier was zu essen? Ein netter Australier war mir dann behilflich und hat mir den Weg erklärt. Mit Wasser, Weckerl, Äpfel und Destol-Desinfektions-Putztücher ging es dann an den Generalputz.

Und dann hörte ich auch endlich etwas in der Wohnung rumpeln – die Mitbewohner sind da! Ein kurzes Hallo, was studierst du, woher kommst du, und zack waren auch schon alle wieder in ihren Zimmern. So hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Na dann muss die Familie zum Skypen antreten.

Eigentlich ist es für den ersten Tag gar nicht so schlecht gelaufen. Ein bisschen schwermütig ist die Stimmung auf alle Fälle! Ich hoffe, dass ich morgen ersten Kontakt mit anderen Austauschstudenten knüpfen kann!