Wenn dein Horizont sich erweitert und 3-dimensional wird

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Ich hab mich aus dem Staub gemacht, hab meine sieben Sachen gepackt und bin ausgeflogen. Ganz alleine, ohne Mama, Papa oder Freunden nenne ich ein, mehr oder weniger fremdes Land für fünf Monate mein Zuhause. Fünf Monate sind keine Ewigkeit – für Kosmopoliten. Ich bin da eher der Komfortzonen-Typ, der sich Zuhause recht wohlfühlt.

Wer will auch ein Extra-Risiko eingehen, wenn alles gerade so gut passt. Mein Leben verläuft in geregelten Bahnen, mein Studium macht mir Spaß, meine Freunde sind die Besten, die man sich nur vorstellen kann – alles ist toll, doch irgendetwas fehlt. Im Alltagstrott ist es nicht so einfach dahinter zu kommen, was einem ständig zum grübeln bringt. Jeder Tag ähnelt dem vorherigen fast zu 100%. Jeden Tag dasselbe Frühstück, der Terminplan ist im Gehirn abgespeichert, weil sich sowieso nichts ändert und die Abende verbringt man vorzugsweise vor dem Fernsehapparat. Die Wochenenden geben auch nichts mehr her. Als Student sollte man doch eigentlich die Nacht zum Tag machen und das bisschen Popkultur frönen, was uns noch übrig geblieben ist. Aber auch die Studenten sind ihren Lebensstil müde geworden und beschränken sich lieber auf ihre eigenen vier Wände. Halten mit dem Hintern lieber die eigenen Sitzgelegenheiten nieder. Das Problem liegt gar nicht daran, dass in der Stadt nichts los wäre oder es keine Bereitschaft zum Fort gehen gibt. Es liegt viel eher daran, dass viele Studenten die Gemütlichkeit für sich entdeckt haben, und durch eine durchzechte Nacht den nächsten Tag nicht komplett aus dem Kalender streichen wollen. Ich muss einfach raus aus dieser bunten Tristesse, einmal etwas Neues ausprobieren und über meinen eigenen Schatten springen. Raus aus der Komfortzone hinein in die Ungewissheit. Ein Auslandssemester ist da genau das Richtige, schließlich kann man da von einer sicheren Ungewissheit sprechen. Normalerweise kommt es zu keinen unangenehmen Überraschungen oder schwierigen Situationen, es kommt einfach nur darauf an, was du daraus machst!

Durham

Die Reisegruppe „Durham“: Katharine, ich, Jenna, Christina und Tom

Die erste Hürde ist es, sich mit ganzem Herzen für ein Semester in einem fremden Land zu entscheiden. Wenn man sich nicht wirklich sicher ist und nicht von seinen Liebsten und seinem Umfeld unterstütz wird, ist das ganze Unterfangen noch um einiges schwieriger. Ich habe Glück und werde von meiner Familie unterstütz wo es nur geht, und dabei rede ich nicht nur von finanzieller Unterstützung. Von Zeit zu Zeit brauche ich Zuspruch, wie es ein krankes Reh braucht. Wenn ich wieder einmal von Selbstzweifel überfallen werde, sind sie es, die mir wieder den Rücken stärken und mich voran treiben.

Durham

auf den Spuren Harry Potters in Durham

Nach den vielen Hürden aus E-Mails und Formularen muss ich dann alleine in den Flieger steigen und ins bekannte Ungewisse aufbrechen. Eine längere Zeit in Großbritannien zu verbringen war schon immer mein Traum. Aber es ist noch einmal etwas ganz anderes, wenn du diesen Traum dann wirklich in die Tat umsetzt. Du kommst in eine fremde Wohnung, die dein Zuhause ist sich aber nicht danach anfühlt. Die einzige Person, die du kennst, ist die Frau, die dich skeptisch aus dem Spiegel betrachtet und die nette Dame an der Rezeption, die dir deine Wohnung gezeigt hat.

mein erstes Essen im Pub

Mein erstes Essen im Pub: man beachte die Beilagen

Das erste Zusammentreffen mit den Mitbewohnern hat etwas vom ersten Schultag. Du weißt, dass du mit diesen Typen die nächsten Monate eine Wohnung teilst, wer sie sind weißt du aber nicht. Ich gehe erstmals nicht vom Schlimmsten aus und gehe vorurteilsfrei auf jedes neue Gesicht zu. Diese neu erlernte Eigenschaft ist auch schon mitunter ein Punkt, warum ich mein Auslandssemester liebe. Du kannst hier nicht großartig wählerisch sein, was Freundschaften anbelangt – ja das klingt jetzt vielleicht ein bisschen hart. ABER ich lerne hier so viele verschiedene Persönlichkeiten, von verschiedenen Kontinenten kennen und ich lerne sie auch zu schätzen. Es wird nicht in Kategorien gedacht, es geht in erster Linie darum, sich gegenseitig ein bisschen Halt zu geben und das Gefühl von Freundschaft auch in den ersten Tagen und Wochen zu spüren. Denn diese Freundschaften sind es, die schlimme Tage wieder erträglich machen, wenn mal niemand da ist, den du anrufen kannst. Sie sind es die dich wieder auf den Boden der Tatsachen holen, und die dir weiterhelfen, wenn du nicht mehr weiter weißt.

Unterwegs mit meinen Mitbewohnern

Unterwegs mit meinen Mitbewohnern

Bis jetzt verlaufen die ersten Wochen nach Plan und völlig zu meiner Zufriedenheit. Ich habe meinem gefängniszellenähnlichen Zimmer schon ein bisschen Charm verliehen. Ich habe mir Schuhe gekauft, damit ich mich mädchenmäßig wohlfühle und die Treter meiner Gemütslage anpassen kann. Doch von Komfortzone kann man von meiner neuen Bleibe noch lange nicht sprechen, wohl eher mehr von überdachtem Feldlager. Trotzdem ist es in Ordnung, so wie es ist.

Um das Land und seine Leute besser kennen zu lernen, versuche ich, so viel wie möglich zu sehen. Neue Eindrücke zu sammeln, meinen Horizont zu erweitern. Über die eigenen, oft großen Schatten zu springen und als Person offenherzig und ehrlich auf alles zu zu gehen was auf mich zu kommt. Und wenn sich mir etwas in den Weg stellen sollte, dann wird es einfach frech weg gelacht – einfach so sein, wie ich immer bin!

Cheerio und die besten Wünsche aus Newcastle …

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