Amsterdam … Teil 2

Meine erste Nacht in einem Hostel … Zugegeben, mir war schon ein wenig mulmig zumute, keine Ahnung warum. Vielleicht war es die Tatsache, mit sechs völlig fremden Personen in einem Zimmer in einer fremden Stadt zu schlafen oder auch die Tatsache, dass ich „Hostel“ den Film gesehen habe und weiß, wie das in Horrorfilmen so abläuft. Wie auf Bestellung hörte ich um 3 Uhr früh, wie jemand vor unserer Zimmertüre mit Schlüsseln herumklimperte. Vielleicht hat sich doch nur jemand am Zimmer geirrt? Die Person versuchte vergeblich die Zimmertüre aufzuschließen. Es vergingen unheimlich, bange Sekunden, bis plötzlich die Türe aufging und ein Lichtkegel ins Zimmer viel und mit diesem Lichtkegel auch der Schatten einer buckeligen Gestalt, die sich ins Innere unseres Etablissements bewegte. Ich versuchte nicht zu atmen, um nicht die Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen und stellte mich schlafend. Und da sah ich es – der Buckel war ein riesen Rucksack, der zu einem Mädchen gehörte, dass sich unser letztes Bett schnappte. Noch mal Glück gehabt, wir sind einem schlechten Remake des Horrorfilms um Haaresbreite entgangen!

Leicht verschlafen reihten wir uns am nächsten Tag in die Badezimmerschlange ein. Da wir aber die Ersten waren die aufwachten, waren es eigentlich nur wir vier, die das Bad blockierten! Also mehr Regenwurm als Schlange. Nachdem wir auch noch unsere letzten Frühstücksreserven aufgegessen hatten, machten wir uns auf den Weg, das verregnet Amsterdam zu erkunden. Da wir keinen Bock hatten mit unseren Rucksäcken komplett durchnässt durch die Gegend zu wandern entschieden wir uns für einen Besuch im Anne Frank Haus. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass wir nicht die Einzigen waren, die sich dass vorgenommen hatten.

Nach 45 Minuten anstehen, waren wir leicht durchgefroren, durchnässt und auch ein bisschen zornig. Wir reihten uns in die Schlange ein (unsere Rucksäcke mussten wir vor uns hertragen), die uns dann durch das Haus und das Versteck der Familie Frank führte – quasi die längste Anakonda der Welt. Mit ganz kleinen Schritten, wenig Zeit zum genaueren Betrachten der Exponate, vielen aufgekratzten Kindern und genervten Eltern, die für ihre Sprösslinge alles lautstark in die jeweilige Landessprache übersetzten, verbrachten wir dort anstrengende 1 1/2 Stunden.

Als sich dann auch noch der Hunger einstellte, beschlossen Jenna und ich, ein Restaurant zu finden, und endlich eine warme Mahlzeit zu uns zu nehmen. Das Menü für diesen Tag bestand aus Minestrone und Pizza Margherita. Was soll ich sagen, danach war ich glücklich und selig. Um drei Uhr nachmittags machten wir uns wieder auf den Weg zum Bus, der uns zurück zur Fähre führte.

Diese Busfahrt war ganz anders als die am Vortag. Es war ganz ruhig, 90% der Reisenden schliefen. Ich hörte Musik, schaute aus dem Fenster, und konnte es noch nicht ganz glauben, was sich da eigentliche gerade in meinem Leben abspielt. Das Gefühl, wenn dein Leben dir wie ein Film vorkommt und die Musik, die du gerade hörst zu deinem persönlichen Soundtrack wird und du dir wünschst, dass es niemals endet. Das sind so kurze Augenblicke im Leben, in denen du gerne mal die Zeit anhalten würdest, um alles zu verarbeiten.

Bei dem Refrain, da geht mir irgendwie das Herz auf, vielleicht weil er meine letzten Monate so gut beschreibt … ❤

Als wir dann wieder am Schiff waren, hatten wir das Vergnügen eine Kabine auf einem der oberen Decks zu bekommen, jedoch ohne Fenster. Der Umstand, dass wir kein Fenster hatten, war auch nicht so schlimm, da sich unser Zimmer in eine Krankenstation verwandelte. Christina und Jana hatte es ganz schön erwischt – 2 Mal grippeähnliche Erkältung zum Mitnehmen, Direktimport aus Amsterdam. Nach einem zweistündigen Nap hatten wir dann Dinner-Time in unserer Suite auf Deck 8. Es gab gekauftes Sushi, Peannutbutter-Jelli Sandwich, Ciabatta, Ananas und Orangensaft. Jenna bedankte sich noch mal bei mir, dass ich sie mindestens 10 Mal vor einem Zusammenstoß mit Radfahrern und Autos gerettet habe. Das hab ich doch gern gemacht für meinen „Running-Buddy“!

Um den beiden Erkältungsopfern ihre verdiente Ruhe zu gewähren verbrachten Jenna und ich unsere Zeit damit, das neue Schiff zu erkunden. Alles war noch einmal ein bisschen größer als es am vorigen Schiff war. Sogar zwei Live-Bands spielten in den Bars. Unsere Fahrt nach Newcastle war wieder einmal sehr angenehm und problemlos. So macht Reisen spaß!

Am Dienstagmorgen hatten wir dann kleine Probleme beim „Einreisen“ nach Newcastle. Jenna versuchte, der etwas zu akkuraten Dame bei der „Grenzkontrolle“ zu erklären, warum sie kein Visum hat bzw. braucht, um hier zu bleiben. Nach einer recht hitzigen Diskussion „drückte“ die Dame ein Auge zu und ließ Jenna zurück nach Newcastle. Dann hatte jedoch ich das Vergnügen meinen alten Reisepass der netten Lady vorzuzeigen. Mein Reisedokument ist nun bald 10 Jahre alt, und auf dem Foto habe ich lange schwarze Haare und einen Nasenring – ziemlich punkig!

Die „Grenzkontroll-Lady“ hielt meinen Reisepass in den Scanner und ich wusste schon, dass das nicht funktionieren wird, damit habe ich schon Erfahrung an diversen Flughäfen gemacht. Ich wollte ihr das aber nicht sagen, da sie sonst das Gefühl gehabt hätte, dass ich sie eventuell belehren möchte. Nach dem 7. Versuch (ja ich habe mitgezählt und dabei schon leicht geschmunzelt: „Lady der Reisepass ist zu alt für einen Chip, um den zu scannen, aber wenn sie es trotzdem noch zehn Mal probieren wollen, ich habe Zeit.“) begann sie etwas auf ihrem Laptop zu tippen. Was sie getippt hat, fragt ihr euch? Nichts sie hat die ganze Zeit die Pfeiltaste gedrückt! Danach hat sie meinen Reisepass ganz genau unter die Lupe genommen, ob er wohl nicht gefälscht ist. Dann kam die Ansage: „Also dieser Reisepass ist schon sehr alt, und ich kann nicht überprüfen, ob er gefälscht ist. Sie sind auf dem Foto auch nicht mehr zu erkennen, und nicht einmal mein Scanner kann ihren Reisepass lesen, sie müssen sich sofort einen Neuen machen lassen.“

Mein Reisepass gilt noch bis 2015 und bis dahin werde ich mich noch so durchschlagen. Ich bin auch schon am überlegen, ob ich ein Post-it hinein kleben soll, auf dem ich erkläre, was die Grenzbeamten mit meinem Pass tun müssen, um mich einreisen lassen zu können. Aber vermutlich wäre das nicht die intelligenteste Idee.

Als letztes Highlight unserer Reise gönnten wir uns ein Taxi zurück in die City. Dabei hatten wir anscheinend den Renn-Taxifahrer erwischt – ziemlich rasante Fahrt auf der (für uns) falschen Straßenseite.

Unser Trip war auf jeden Fall jeden Euro wert! Das was wir dort erlebt haben werde ich auf keinen Fall so schnell vergessen! Danke an meine Reise-Mädels – Jana, die Reiseleiterin, die den Stadtplan immer im Auge und im Kopf hatte, an Christina, die unsere Kabine am Schiff gebucht hat, und deren Idee es war, das Schiff zu nehmen. Und danke an Jenna, dass sie einfach so ist, wie sie ist … lustig und unbekümmert und wir immer über die selben Dinge lachen können!

IMG_6138

Cheerio liebe Leute … weitere Reise-Updates folgen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s