Mit Harry Potter auf Du und Du(rham)

Ich bin ein Kind der Harry Potter-Generation – ich bin dem nerdigen, seltsamen Zauberer älter und größer, aber vermutlich nicht reifer geworden. Wenn ich schon mal in dem Land bin, in dem der Film gedreht wurde, da muss ich mir ja auch die Drehorte ansehen, das geht ja gar nicht anders. Zu meinem Glück gibt es unter meinen Freunden richtige Harry Potter Fanatiker, die sofort dabei sind und mit mir England erkunden.

Unser erster Ausflug ging nach Durham, eine kleine „Stadt“ nicht unweit von Newcastle. Dort gibt es einen Fluss, namens Wear, eine Universität, eine Altstadt, ein Fish and Chips Restaurant, eine Kathedrale, ein Schloss und einen Bahnhof an dem wir Sonntagmorgens angekommen sind. Unsere Zugfahrt war kurz und amüsant. Wir Mädels (Katharina und Christina aus Deutschland, Jenna aus New Jersey und ich) haben uns köstlich amüsiert. Tom (Brite)  war zuerst ein bisschen peinlich berührt, da wir, in der Shhhh-Zone = Ruhezone, wie die Hühner geschnattert haben. Da wir auf touristischer Mission waren, haben wir alle unsere Kameras im Gepäck und zögerten auch nicht diese bei jeder Gelegenheit zu benutzen.

Unser Trip war ungeplant und unorganisiert, wir wussten nur, dass wir am Sonntag um 9:30 mit dem Zug losfahren würden, und das reichte uns auch schon. In der „Stadt“ machten wir uns auf einen Erkundungstrip und suchten unseren Weg, den Hügel hinauf zum Schloss und zur riesigen Kathedrale. Die Universität von Durham liegt teilweise im Schloss und wird nach Oxford und Cambridge gegründet – eine sehr ehrwürdige alte Uni, die auch zu den Top-Unis der Welt gehört (was das Internet so alles weiß … ). Da wir sehen wollten, wie es sich hier so studiert, sind wir unerlaubterweise in den Schlossinnenhof gegangen. Ja, schon recht dekadent so von außen betrachtet. Danach ging es weiter in die Kathedrale, in der Gerade eine Sonntagsmesse stattfand, und ich wurde vom Chor nur so überwältigt. Diese Stimmen, diese Harmonie – beeindruckend. Ich stand für zehn Minuten einfach nur so da und hörten den Liedern zu, die sehr eindrucksvoll und zugleich berührend waren. Aber eigentlich wollten wir wegen etwas ganz anderem in die Kathedrale, und zwar wegen dem Kreuzgang, in dem Teile von Harry Potter gedreht wurden. Für mich war es jetzt nicht solo beeindruckend, da ich so etwas ja aus Österreich kenne und es das auch an meiner alten Schule gegeben hat. Trotzdem wurde drauf los fotografiert als würde es kein Morgen geben. Nach einer gefühlten Stunde haben wir einen Spaziergang durch die umliegende Landschaft gemacht und suchten uns einen Coffeeshop um uns wieder aufzuwärmen.  Danach wanderten wir durch die schmalen Gassen, aßen Chips (der dazugehörige Fish war uns zu teuer) und genossen die Zeit.

Es ist erstaunlich, wie viele verschiedene Menschen man hier trifft und sieht. Großbritannien ist ein wirklich buntes und multikulturelles Land, das aber mit landschaftlicher Schönheit und Einzigartigkeit überzeugen kann. Die nächsten Trips sind schon gebucht und geplant! Mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, dass es die richtige Entscheidung war, hierher zu kommen auch wenn es manchmal schwer fällt das zu glauben. Reisen erweitert den Horizont, und irgendwie merke ich schon, dass mein kleiner, engstirniger Horizont mit jedem Tag wächst.

Cheerio …

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Friday is Funday …

Mein Freitag hier in Newcastle ist der perfekte Übergang ins Wochenende – nicht zu stressig aber auch nicht zu fad. Für gewöhnlich habe ich um 11:00 Uhr mein Seminar über „Constructing Reality“. Hier wird eine Stunde über Themen diskutiert die uns bewegen, aber auch Themen die derzeit in den Nachrichten sind, werden genauer analysiert und von verschiedenen Standpunkten aus in ihre Einzelteile zerlegt.

An diesem Freitag beschäftigten wir uns mit dem Thema Petitionen und warum manche Petitionen Sinn machen und etwas bewegen und manche nicht. Was kann ein einzelner Mensch alleine überhaupt erreichen? Wie mobilisiert man die Massen und welche Themen sind wirklich öffentlichkeitstauglich? Die Petitionskultur im Vereinigten Königreich scheint mir generell viel lebendiger und aktiver zu sein. Wenn die Leute hier etwas bewegen möchten, gehen sie Unterschriften sammeln. Unsere Hausübung für diese Woche ist es, einen anderen Menschen zu beeinflussen, und zu einer bestimmten Entscheidung oder Verhalten zu bewegen. Melanie auf Überzeugungsmission … Leute nehmt euch in acht!

Nach meinem Seminar habe ich mich gleich wieder auf den Heimweg gemacht, da das Wetter wieder einmal völlig verrückt gespielt hat. Nieselregen gefolgt von starken Windböen ist jetzt nicht so das Wetter, bei dem man lange Spaziergänge am Flussufer machen sollte. Also habe ich den erschwerlichen 1,30 Minuten Fußweg vom Unigebäude zu meiner Wohnung in Kauf genommen.

the game

Nach einem entspannenden Nachmittag in meinen kuscheligen vier Wänden, ging es am Abend ab zum Basketball-Spiel. Die Newcastle Eagles gegen die Leicester Riders – mein erstes Basketball-Spiel. Für 5 Pfund Eintritt hat es dann doch noch ordentlich Spaß gemacht. Zu Beginn machten die Newcastle Eagles mehr den Eindruck als wären sie die Newcastle lazy Ducks. Doch nach den ersten zehn Spielminuten und einem ordentlichen Punkterückstand machten sie ihrem Namen alle Ehre und holten doch noch den Sieg nach Newcastle. Nach dem Spielende bekamen sich die Spieler der Mannschaften noch kurz in die Haare und es machte den Anschein, als würde an diesem Abend noch eine kleine Schlägerei am Spielfeld stattfinden (ich dachte immer, dass es nur beim Eishockey so zugeht). Aber der Streit wurde schnell von den Schiedsrichtern geschlichtet und alle gingen friedlich vom Spielfeld.

Karaoke night

Da Friday Night Fun-night ist, mussten wir noch etwas unternehmen. Eine kleine aber feine private Karoakenacht mit „Livemusik“ war dafür genau das richtige! In der Wohnung von Jen, Tom und Cas wurde dann noch bis 1 Uhr Nachts Gitarre gespielt, Lieder geschrieben und gesungen … einfach Zizz kind of zstuff (gelesen mit französischen Englischakzent).

Cheerio!

Träge schleppt sich das studentische Faultier …

Wer feiern kann, der kann auch ruhig mal auf die Uni gehen. Ja ja, ich weiß, ich hab jetzt immer nur von meinen Abenteuern erzählt, aber jetzt kommen wir mal zum Ernst meines Lebens. Ich bin schließlich hier um zu studieren und nicht um Party zu machen (zumindest nicht nur).

Am Montag hat meine zweite Woche an der Northumbria University begonnen. Meine erste Vorlesung des Tages war Digital Journalism im Basement des Lippmann-Building … das heißt so viel wie die Vorlesung ist im Keller. Irgendwie war auch meine Stimmung im Keller. Nicht nur, dass der Teppich einen recht eigenartigen Geruch absondert, es zieht auch noch durch alle Ritzen in den Wänden. Das macht nicht gerade Bock auf zwei Stunden Uni-Spaß. Der Vortragende, Mark Davenport ist aber wirklich sehr nett und macht die Vorlesung wirklich interessant. Trotzdem war ich froh, als ich 2 Stunden später den Keller wieder verlassen durfte, und durch das Labyrinth an Gängen wieder zurück ans Tageslicht gefunden habe.

Als kleinen Ausgleich und auch um mich aus meinen Faultierschlaf zu holen, habe ich mich wieder mit Jenna zum laufen getroffen und wir haben wieder unsere üblichen Runden durch den Park gedreht, bis uns schwindelig war und uns die Puste ausgegangen ist. In dicke Schichten eingepackt, liefen wir dann wieder an leicht bekleideten Sportlern, in knappen Laufshorts vorbei und direkt nach Hause in unsere warmen Buden. Ja, auch die Sportler halten nicht viel von an die Jahreszeit angepasster Kleidung – es muss wohl nur schön luftig sein. Ich bekomme beim Anblick von kurzärmligen T-Shirts und knappen Laufshorts jedes Mal das große Frieren.

Am Nachmittag hatte ich dann meine nächste Vorlesung mit dem wundervollen Namen Constructing Reality. Kurz gesagt geht es dabei um die Tatsache, wie Nachrichten für Konsumenten erschaffen werden, wie die Nachrichten durch Politik, PR und andere Einflussfaktoren beeinflusst werden (an alle meine lieben JPR12er … Habermas hat mich bis hierhin verfolgt). Ich war an diesem Montag die Erst im Vorlesungsraum – da hab ich mich fast ein wenig unwohl gefühlt. Nach den zwei Stunden, die mich auch nicht sonderlich vom Hocker gerissen haben, bin ich in den nächsten Supermarkt gegangen und hab mir 4 Twix gekauft. Ich muss schließlich auf meine ausgewogene Ernährung achten, und da diese bis jetzt nur aus Nudeln, Reis, Gemüse und Tote bestanden hat, haben eindeutig die Komponenten Zucker und Schokolade gefehlt. Tja, deshalb hab ich an diesem Abend auch gleich zwei Stück gegessen, um keine bleibenden Schäden davon zu tragen.

Der Dienstagmorgen begrüßte mich wieder einmal mit Regen. Es ist wirklich kein Klischee, dass das britische Wetter grau und regnerisch ist – es ist so, aus und fertig. Aber wer hier beginnt Trübsal zu blasen und sich durch den Regen den Tag vermiesen lässt, der hat recht schnell verloren und kann gleich zum Einsiedlerkrebs mutieren. Auch wenn es schwer fällt, musst du dich an den grauen Tagen aus dem Bett erheben und versuchen das Beste aus dem Tag zu machen. Ich habe den Dienstag Vormittag Großteils mit Recherchearbeit für meine Abschlussarbeit in Digital Journalism verbracht. Ich muss für diese Lehrveranstaltung einen Newsbeitrag schreiben, begleitet von Audio, Video, Infografiken oder auch Slideshows machen. Ein interessantes, gutes Thema zu finden ist gar nicht so einfach, wenn du in einer fremden Stadt bist. Ich hab mich wieder wie am Anfang meines Journalismusstudiums gefühlt. Was soll ich tun und wo soll ich anfangen und wo wieder aufhören? Mit einem Thema bewaffnet, machte ich mich am Nachmittag auf in mein Seminar um mein Thema meinem Tutor vorzustellen. Und, was soll ich sagen, er war begeistert! Meine nächste Story wird von Geisterjägern in Newcastle handeln, die hier einen auf Ghost Busters machen und dafür auch noch Leute mitnehmen um ihnen die Existenz von Geistern zu beweisen. Ich bin schon richtig gespannt!

Den Abend ließen wir gewohnt gemütlich in unserer Küche ausklingen. Jeder durfte sein Leid klagen und wurde von vier anderen bemitleidet. Jeder durfte ein paar skurrile Youtube Videos herzeigen und um Kritik für derzeitige Uniarbeiten bitten. Ja so sind wir, die fünf kreativen, wissenschaftlichen Krieger aus Lovain Flats 5/30.

Die Feuertüre

Oh ganz kurz am Rande … wir haben mit unseren Nachbarn Kontakt aufgenommen … mit einem Zettel den wir unter derTür durchgeschoben haben. Wir haben nämlich eine Feuertür in unserer Wohnung, die in die nächste Wohnung führt. Natürlich ist sie verschlossen, sollte es aber mal brennen, müssen die fünf von nebenan, durch unsere Küche flüchten. Na dann Prost Mahlzeit! Auf jeden Fall hatten die eine kleine Party und hörten gute Musik, und weil wir mithören wollten, haben wir sie auf dem Zettel gebeten, die Musik lauter zu drehen. Das taten sie auch, begannen dann aber auch zu schreien und versuchten so irgendwie mit uns zu kommunizieren. Tja, da haben wir jetzt was angefangen!

Cheerio … man liest sich wieder

Das Nachtleben ist wie ein bunte Wundertüte …

… denn du weißt nie was du kriegst. 

Nachdem wir am Freitagabend eine herbe Partyenttäuschung erlitten hatten, musste der Samstag alles wieder gut machen. Denn dieser Freitagabend war einfach nur eigenartig. Zuerst waren alle vom Gedanken, endlich aus der Wohnung raus zu kommen begeistert, und dann als wir bei der Party in der Students Union angekommen waren, war nichts los. Da sind ein paar schwindelige Typen in Sumo-Ringer-Kostümen herumgetorkelt und haben sich gegenseitig auf die Matte geworfen aber das wars auch schon. Und dafür haben wir uns extra schick gemacht. Ist ja nur verständlich, dass dann die Stimmung im Keller war. Deshalb sind wir dann wieder nach Hause gegangen und haben uns was zu essen gemacht, das ist doch auch was Feines. Der Freitag war somit erledigt!

Am Samstag sollte eigentlich der große Tag sein, an dem ich endlich einen Ausflug machen würde. Ich bin extra um 7 Uhr aufgestanden, bin überpünktlich zum Treffpunkt gegangen, von wo uns der Bus abholen sollte. Katharina und ich wollten mit der Students Union mit nach Leeds fahren, um uns die Stadt anzusehen. Leeds ist nichts besonders, aber wenn ich schon mal hier bin, dann sollte ich mir ja wohl auch die Gegend ansehen. Tja, es kam aber ganz anders, denn es kam kein Bus und auch keine anderen Leute, wir standen ganz alleine in der Gegend herum. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass an einem Samstagmorgen eher wenig am Campus los ist, und nicht so viele Leute anzutreffen sind. Darum warteten wir bis 9 Uhr, bis wir jemanden fragen konnten. Dann hieß es, dass man uns den falschen Treffpunkt gesagt hatte, und der Bus ohne uns nach Leeds gefahren ist. Also ein ganzer Samstag für mich in Newcastle. Eigentlich war es dann gar nicht so schlecht. Ich habe mich mit Jenna, einer ganz lieben Freundin aus New Jersey zum Laufen verabredet. Wir haben ein paar Runden durch den Park gedreht, bis dann ein Gewitter aufgezogen ist. Und plötzlich war ich eigentlich ganz froh, dass ich nicht nach Leeds gefahren bin.

Zu Hause angekommen, haben sich alle meine Mitbewohner über meine Leeds-Gechichte köstlich amüsiert, und dann aber vorgeschlagen, dass wir an diesem Abend mal richtig weggehen sollten. Doch als die Stunde des Aufbruchs heranrückte, und wir alle versammelt an unserem Esstisch saßen, hatte keiner mehr so richtig Lust etwas zu unternehmen. Ja genau, Studenten haben manchmal keine Lust, sich herzurichten und fort zu gehen. Trotzdem schafften wir es irgendwie, um 23 Uhr das Haus zu verlassen. Geschniegelt und gestriegelt ging es denn in Richtung Central Station zum Club Digital. Während des 25-minütigen Fußmarsch begegnete uns so manch Kurioses. Grölende, betrunken Briten, Mädels in den kürzesten Kleidchen, betrunkene Mädchen, die von der Polizei betreut werden mussten, und noch vieles mehr. Wer glaubt, das Univiertel in Graz sei laut und ein Sündenpfuhl, der hat das hier noch nicht gesehen. Ein ganzer Stadtteil wird hier freitags und samstags zur Partyzone, Jung und Alt gehen aus und lassen es in den Clubs so richtig krachen. Als wir endlich beim Club angekommen waren mussten wir uns anstellen – eine ganze Stunde lang. Für uns war das kein Problem, schließlich trugen wir alle unsere Winterjacken und wir Mädels hatten auch Strumpfhosen an. Hinter uns war eine Gruppe ziemlich betrunkener britischer Mädels ohne passender Warteausrüstung (heißt Jacken und Strumpfhosen). Zwei von ihnen versuchten ihr Glück und wollten nach vor rennen, was aber keine so gute Idee war mit ihren 10 cm High Heels. Da sie sich an der Hand hielten, kamen sie nur zwei Meter, bis eine auf die andere viel und sie gemeinsam zu Boden krachten. Das Ganze sah verdammt schmerzhaft aus, und noch dazu erniedrigend. Da die Kleider der beiden wirklich nur das Nötigste bedeckten, gaben der Sturz und ihre Liegeposition am Boden, den umherstehenden Personen nun mehr Einblicke als man eigentlich haben möchte. Aber wie heißt es so schön, die Betrunkenen haben das Glück, und die ganze Gruppe zog unverletzt von dannen. Während der einstündigen Wartesession konnte wir super mit anderen Leuten quatschen und lernt so lustige neue Menschen kennen – gemeinsames Frieren verbindet.

Im Club war es dann ganz okay. Es gab drei verschiedene Floors, wo für jeden Geschmack etwas dabei war. Als wir gerade am Tanzen waren, kam ein Typ zu mir und meint „I love your hair. Your hair looks so wonderful!“ Hhhhmmm okay, dachte ich mir – irgendwie eigenartig, du solltest einfach mal debil grinsen und nicken. Tja irgendwie wurden wir den Typen und seine Freunde dann nicht mehr los und sie folgten uns immer, sehr dezent und unauffällig (so weit das für 8 Jungs möglich ist) durch den Club. Jetzt denke ich mir, dass der vielleicht Friseur war, und ich hätte ihn gleich mal fragen sollen, wo er denn arbeitet, schließlich brauchen meine Haare mal wieder einen Haarschnitt.

Als wir dann um 3 Uhr ein Taxi nehmen wollten, mussten wir uns wieder anstellen und warten. Aber auch hier bekamen wir etwas geboten, schließlich soll es an einem Samstagabend nicht langweilig werden. Die Jungs vor uns in der Schlange fingen plötzlich an, andere Typen anzupöbeln, nichts Schlimmes nur ein paar postpubertäre Wortgefechte. Doch der Clou war, als wir in unser Taxi einsteigen wollten und plötzlich ein Betrunkener von der anderen Seite sich einfach richtig frech auf die Rückbank pflanzte. Der Taxifahrer hat dann versucht den verwirrten jungen Mann aus dem Wagen zu zerren, doch dem war das gar nicht recht. Der Betrunkene hat dann all seine Kong Fu und Boxtechnicken, die er vermutlich aus Rocky und Kong Fu Panda hatte, ausgepackt und wollte mit dem Taxifahrer eine Schlägerei anfangen, mitten auf der Straße. Tja, Samstagnacht in Newcastle ist ein Erlebnis! Das nächste Mal werde ich mein Smartphone mitnehmen, vielleicht kann ich dann ein paar amüsante Videos machen.

Ja ich weiß, ich bin hier um zu studieren – bis jetzt drehen sich meine Blogbeiträge größtenteils um meine Freizeitaktivitäten. Aber es hat ja erst meine zweite Uniwoche begonnen. Irgendwann wird da auch mal was Spannendes passieren, aber bis dahin bleiben mir noch immer die Anekdoten der Nacht! …

Cheerio mein Lieben!

Vergiss die Tage, ich schreib es einfach

Nachdem nun für kurze Zeit meine natürlich Blogfaulheit wieder aufgekommen ist, habe ich beschlossen ich nehme die Last von meinen Schultern täglich zu schreiben. Es ist ja auch gut wenn ich meine Leser (sollte es die auch wirklich geben) ohne Zwang und Zeitdruck auf dem Laufenden halte.

Ich habe hier nun mein erstes Wochenende überlebt! Ja, ich meine es so, wie ich es geschrieben habe. Das erste Wochenende in Newcastle stellte für mich den größten Horror dar. Was wenn ich noch keine Freunde habe, und ich ganz alleine in meinem Zimmer sitze? Was wenn ich unertragbares, grausames Heimweh bekomme? Ich kann euch beruhigen, denn diese Dinge sind nicht eingetreten!

Freitag Abend sind wir mal „newcastle-mäßig“ fort gegangen, ja wir sind zu 10 auf die Piste gegangen. UND man hat es uns angesehen, dass wir alles Austauschstudenten sind. Die Mädchen hatten zu viel an und waren auch zu nüchtern und die Jungs, waren eindeutig auch zu nüchtern. Trotzdem hatten wir richtig viel Spaß, vielleicht auch deshalb, weil im Club eine Hüpfburg war … da wurde das Kind in uns wieder wach.

Dank unseres (zeitlich) ausufernden Clubaufenthalt viel unser Ausflug an die Küste am nächsten Tag ins Wasser. Dafür machten Newcastle und den St.James Park unsicher. An alle fußballafinen Jungs – der Fanshop von Newcastle United ist riesig und du kannst so ziemlich alles von denen kaufen, hab nur noch keine Tapeten gefunden! Nach einem ausgedehnten Spaziergang sind wir dann in ein Pub um unseren Lunch zu uns zu nehmen. Ich werde es vermutlich nie verstehen, warum ich zu einem Panini, Chips bekomme, aber was solls, ich esse sie trotzdem!

Sonntag war es dann endlich so weit … es ging raus an die Küste! Rein in die U-Bahn und raus an den Strand. In der U-Bahnhaltestelle von Tynemouth fand gerade der wöchentliche Skurilitätenmarkt statt. Natürlich musste ich da mal durchschlendern. Es könnte wirklich passieren, dass ich mir eine dieser Old-Lady-Fashion Pelzhauben kaufe. Es regnet zwar an diesem sehr britischen Sonntag, doch das machte uns nichts aus. Am Strand angekommen haben wir dann den vielen Menschen zugesehen, die dort mit ihren Hunden gespielt haben. Es war ein sehr entspannender und toller Tag in Tynemouth, und als dann am Nachmittag auch noch die Sonne durch die dicke Wolkendecke durchbrach, war es fast perfekt.

Am Montag hatte ich dann meine ersten Lectures … Um 9:00 war Digital Journalism dran. Tja ich musste in einen Vorlesungsraum in den Keller gehen, wo alles mit Teppich ausgelegt war (ich bin ja nur froh, dass in den Badezimmern und Toiletten kein Teppichboden ist). Es hat ein wenig muffig gerochen, muss ich ganz ehrlich sagen. Meine Mitstudenten waren alle noch ziemlich verschlafen, aber die Vorlesung war gut – was soll ich sagen, Journalismus und Internet – eh schon wissen … Am Nachmittag hatte ich dann noch eine Vorlesung (Constructing Reality) mit einer sehr interessanten Vortragenden. Sie hat irrsinnig viele Bücher zu Geschlechtsspezifischen Themen in den Medien geschrieben. Das wird sicher ein sehr interessanter Kurs werden.

Tja und gestern hatte ich dann auch gleich mein erstes Seminar in Digital Journalism. Wir mussten Beispiele für gute und schlechte News-Webseiten mitbringen. Ich habe den britischen Studenten mal news.ord.at gezeigt. Tja was soll ich sagen, sie waren baff. Aber nicht im positiven Sinne. Langweilig, alt und hässlich waren die Schlagworte die ich mir gemerkt habe. Als gutes Beispiel habe ich dann die Seite des wired-Magazin vorgestellt (die ich nun dank Lucas Kundigraber kenne). Und was soll ich sagen, der Vortragende hat meine Präsentation sehr gelobt!

Tja, das war ein kurzer Rückblick auf ein mehr oder weniger spannendes Wochenende … bald wird es wieder neue Geschichten aus Newcastle zu berichten geben … Also immer schön mit mir mitfiebern!

Tag 3 und 4 – Es entwickelt sich

Ja, es entwickelt sich so etwas wie Freizeitstress. Ich möchte gerne alles sehen, überall dabei sein und alles erleben, was nur irgendwie möglich ist.

Das Wichtigste ist, wenn du in ein neues Land kommst, gleich mal so etwas wie Freunde zu finden, mit denen du Zeit verbringen kannst. Dazu gehst du, als Erasmus-Studentin einfach zu allen Willkommensveranstaltungen, die es an der Uni gibt. Das ist eigentlich der sicherste Weg. In Newcastle ist es so, dass die Austauschstudenten zu gut 70% Amerikaner und Australier sind, 20% aus asiatischen Ländern und 10% Europäer oder Südamerikaner – so kommt es mir zumindest vor, wenn ich die Leute frage, woher sie kommen. Am Ende des Semesters wird dieser internationale Mix sicher einen interessanten Englischen Akzent bei mir ergeben.

Oh und wir haben jetzt auch noch einen fünften Mitbewohner bekommen. Lao (ich glaube so heißt er, ich verstehe ihn sehr schlecht) kommt aus Brasilien und studiert „criminal investigation“ oder so etwas, auf jeden Fall das, was die bei Criminal minds immer so machen.

Mir persönlich kommt es so vor, als hätte ich noch nicht viel von Newcastle gesehen. Ich bewege mich immer nur auf denselben Straßen herum, weil ich Angst habe, dass ich mich verlaufen könnte – ja ich weiß, das ist die richtige Einstellung, nur nicht sich zu weit vom Nest entfernen, das könnte unschön werden.

Nachdem meine Mitbewohnerin Andrea all ihre Modelle für ihr Studium abgegeben hatte, wollte sie mit uns ins Pub gehen, um auf die getane Arbeit anzustoßen. Wir sind dann ins Hancock gegangen auf ein Bier oder einen Cider. Dort hat es nur so vor Leuten gewimmelt. Schnell holten wir uns an der Bar die Getränke um uns dann, im Jänner in den vollen Gastgarten setzen. An der Bar habe ich etwas Amüsantes beobachtet: Als ein Typ ein Bier bestellt hat, hat er nicht „please“ gesagt, und der Barmann hat solange zu ihm „please“ gesagt, bis der Typ es endlich geschnallt hatte und sein Bier höflich bestellte hat. So erzieht man seine Kundschaft! Im Gastgarten war es irrsinnig laut und voll, so etwas kennt man bei uns gar nicht. Ich fand’s toll, auch wenn ich mein eigenes Wort kaum verstanden habe.

Nach dem Pubbesuch waren Katharina (Austauschstudentin aus Deutschland) und ich zu einer Geburtstagsparty bei ein paar Amerikanern eingeladen. New Jersey und Baltimore treffen auf Österreich und Deutschland. Als wir um 22:00 Uhr bei ihnen ankamen, waren die Jungs schon ziemlich gut drauf und spielten ein Trinkspiel nach dem anderen. Eines muss man ihnen lassen, die Spiele waren recht amüsant, auch wenn Katharine und ich nur herrliches, mit Chlor versetztes Wasser getrunken haben. Um halb 12 sind wir dann aufgebrochen, um noch ein wenig das Nachtleben von Newcastle zu erkunden, dass aber an einem Donnerstag Abend, nicht wirklich existent erschien. Deshalb hatten Katharina und ich dann beschlossen, doch lieber zur Brücke runter zu gehen und uns die Tyne mal bei Nacht anzusehen. Das hat sich dann auch wirklich gelohnt, und danach sind wir nicht Hause marschiert.

Auf unserem Heimweg sind wir dann doch noch an einigen vollen Clubs vorbei gekommen. Anscheinend waren wir nur in den falschen Lokalitäten. Ich bin noch immer beeindruckt von der Fortgeh-Bekleidungsmentalität, die in Newcastle vorherrscht. Auch wenn es kühle +1°C hat, hat niemand eine Jacke an, weil es in den meisten Clubs keine Garderobe gibt. Jungs tragen kurzärmlige T-Shirts und die Mädels sind sowie die ärgsten. Mädels tragen hier 10cm High Heels, kurze Kleidchen, wenn geht hauteng, egal ob es der Figur schmeichelt oder nicht, es wird sich reingezwängt, sodass es bei manchen wie ein zu fest gewickelter Verband aussieht. Und das Tüpfelchen auf dem i ist, das 90% der weiblichen Partypeople auch keine Strumpfhosen tragen … man steht hier anscheinend auf naturweiße Beine ohne Nylon.

Mehr von meinem Partyabenteueren gibt es bald …