Einmal schottische Klischees zum mitnehmen, bitte!

Was gibt es über Schottland zu wissen? Es ist im Norden der Insel. Dort gibt es Nessie, Männer tragen Röcke, die sie Kilt nennen, das Nationalinstrument ist der Dudelsack und das Nationalgericht nennt sich Haggis, eine Köstlichkeit bei der Schafsinnereien im Schafsmagen gekocht werden. Schottland ist das Land in dem es vermutlich gleich viele Whiskey-Sorten, wie Einwohner gibt und die Hauptstadt dieses wunderschönen (noch) Teils Großbritanniens ist Edinburgh. Und in genau diese Stadt hab ich mir genauer angesehen, oder zumindest so genau, wie es an einem Tag geht.

Edinburgh

Nach einer zweieinhalbstündigen Busfahrt, in einem Vehikel, das einem Toaster glich, wurden wir ohne Stadtkarte und ohne nähere Infos ab- bzw. ausgesetzt. Zum Glück fanden wir gleich die zwei wichtigsten Läden einer jeden Reise: ein Touristen-Info Center und einen Starbucks. Mit einer Stadtkarte und einem heißen Kaffee in den Händen ging es dann hinaus ins windige Edinburgh, um die sagenumwobene Burg zu erkunden.

Auf unserem Weg fanden wir an fast jeder Straßenecke traditionell gekleidete Dudelsackspieler. Das Können der verschiedenen Spieler war circa so facettenreich wie das der Kandidaten bei „der großen Chance“. Die einen hatten Probleme das Instrument richtig „anzustarten“, sodass die fabrizierten Töne denen einer, an Bronchitis leidenden Ente glichen. Andere wiederum spielten die Titelmelodie von Starwars – da war für jeden Geschmack etwas dabei, von „Zwölftonmusik“ bis Pop. Den Touristen waren das Können und die Darbietungen egal, denn die waren nur auf eines aus – Fotos mit einem typischen Schotten zu machen. Artig wie die Dudelsackspieler waren, standen sie still und ließen sich bereitwillig ablichten. Auch wenn ich auf touristischer Mission war, so hab ich mich dann doch nicht zu einem Touri-Foto hinreißen lassen und blieb auf Abstand.

Die Burg oder das Schloss wie man es auch bezeichnen will, habe ich nur von außen gesehen. Der Eintrittspreis von 16 Pfund verdirbt einem dann doch die kulturell Vorfreude und lassen mich als Menschen zurück, der den großen Klotz nur von außen gesehen hat. Allerdings machten wir einen kleinen Abstecher in den Touristenshop, der mit überteuerten schottischen Schals, Woll-Accessoirs und Schokolade den Touristen das Geld aus der Tasche zieht. So ging es für uns dann weiter, auf den großen Touristen-Trampelpfad Edinburghs, der gesäumt von Kiltshops und Souvenirläden war bzw. ist.

Doch wenn man mit offenen Augen durch die Stadt läuft, kann man so manch schönes Fleckchen entdecken, für das man kein Geld bezahlen muss.

Auf Wunsch meiner Wochenende-Reisegruppe (die sich immer aus denselben Leuten zusammensetzt) haben wir dann auch noch den „Palast“ der Stadt gesucht. Während unseres Entdeckungsspaziergangs sind uns viele Männer im Kilt begegnet – schottischer geht es kaum noch! Doch nach kurzer Zeit kam die Ernüchterung – alles nur Touristen – vor allem eine deutsche Männer-Reisegruppe im Kilt – das nenne ich Vorspiegelung falscher Tatsachen.
Auch der Palast war mehr oder weniger ein Reinfall, denn auch hier knöpft man den Touristen so manchen Pfund ab, und so besonders war der alte Kasten dann auch wieder nicht, dass ich dafür mein Budget schröpfe.

Da beschlossen wir, das Geld lieber in unseren Körper zu investieren und etwas Essen zu gehen. Komischerweise wollte niemand, außer mir und Jenna den typischen Haggis probieren, so haben wir uns dann das vermutlich schäbigste Bistro, mit der verwirrtesten Mannschaft in ganz Schottland ausgesucht. Der Kellner konnte weniger Englisch als unsereins und die Bestellungen kamen teils falsch auf den Tisch und auch der Geschmack konnte nicht wirklich überzeugen. Da greife ich doch gerne auf ein Meme zurück um unsere Misere zu verdeutlichen:

Danke für das „tolle“ Menü

Das einzig Positive an unserer Lunchpause war, dass wir so den Regen ausgetrickst haben. „Gestärkt“ aber immer noch hungrig besuchten wir dann das schottische Nationalmuseum, von dem aus man einen wundervollen Blick über Edinburgh hat.
Auf unserem Rückweg zum Bus fanden wir dann auch noch den Coffeeshop, in dem J.K. Rowling Harry Potter geschrieben hat – ich werde hier wirklich noch zum „Potter Touri“. Doch bevor es nach Hause ging, mussten wir noch dem modernen Lifestyle frönen und warfen uns die bunte Shoppingstraßen-Welt. Shoppen scheint der Nationalsport der Britinnen zu sein, denn die Einkaufszentren und Shoppingstraßen sind von morgens bis abends vollkommen überlaufen.

Edinburgh war wunderschön und ich würde wieder hinfahren. Ich würde nun vermutlich in ein anderes Restaurant gehen, aber alles in allem ist es auf jeden Fall einen Besuch wert! Und nicht vergessen: Sag nie zu einem Schotten, dass Edinburgh in England ist … das hören sie gar nicht gerne!

Cheerio liebe Leute!

Advertisements